Eigentlich, wären wir im Erzgebirge gewesen; eigentlich war der Plan den Stoneman Miriquidi zu fahren. Geplant war die Tour für den 03.08. – 06.08.17. Das Wetter im Erzgebirge wäre bescheiden gewesen – 14°C - 18°C und Regen.

Zum Glück haben wir uns aber umentschieden und sind in den Süden gefahren. Die Dolomiten um den Sella-Stock waren unser Ziel. Hier fanden wir tatsächlich alles, was ein Mountainbiker-Herz höherschlagen lässt. Tolle Touren, geiles Wetter und spannende Abenteuer.

 Wir Memmen, das waren diesmal:

  • Oli, der jetzt weiß was ein Fett-Arsch ist
  • Steffen, der Carbon-Mann ohne Stahl

  • Schlotti, unser grüner Flip

  • Harry, der lang vermisste Trompetenkäfer

  • Karl, der Mann der keine Wege braucht

  • Christian, der Downhill-Trabbi

  

Tag 1: Die Sella Ronda gegen den Uhrzeigersinn – fast eine runde Sache

Wir waren schon am Vortag nach Wolkenstein, unserem Ausgangspunkt der nächsten Tage angereist. Am Frühstückstisch las Oli dann die Tourenbeschreibung des ersten Tages vor. Es stand die Sella Ronda im Uhrzeigersinn auf dem Programm. Quasi zum Einrollen eine Tour über 68 km und mit 1500 Hm, von denen laut Plan nur 300 mit eigener Kraft bewältigt werden mussten. Eine Freude für jede Memme.

Schnell waren die letzten Reste des Müslis gegessen und man versammelte sich im Sonnenschein mit den Bikes. Die Lift-Tageskarte für die Runde musste schließlich noch gekauft werden. Für nur 45 Euro konnten damit alle Lifte der Region benutzt werden. Schnell war der Weg zur Liftstation gefunden und die heiß ersehnten Tickets erstanden. Sofort wurden die Bikes in der Gondel verstaut und schon ging es hoch. Von Wolkenstein (1560m) hinauf zum Ciampinoi (2250m) waren die ersten 700 Hm recht leicht. Oben angekommen genossen wir die Sonne und die grandiose Aussicht. Einzig Tourguide Oli machte ein unglückliches Gesicht. Ihm wurde erst jetzt klar, dass wir den falschen Startpunkt hatten. Statt am Einstiegspunkt der Runde im Uhrzeigersinn befanden wir uns am Start der Runde gegen den Uhrzeigersinn. Diese sollte 60 km Länge haben und 2800 Hm aufweisen. Jedoch mussten hier 1200 Hm selbst bezwungen werden. Es war klar, dass wir Oli hier keinen Vorwurf machten. Wir starteten halt die Runde gegen den Uhrzeigersinn. Direkt nach dem Start ging es gleich mal brutal steil nach oben. Steigungen von über 20% türmten sich vor uns auf. Keuchend und schwitzend bezwangen wir die ersten Anstiege. Dabei zeigte Oli uns und einem frei laufenden Hund wer ein harter Knochen ist. Während alle schon ihr Bike schoben kletterte Oli direkt neben dem Hund den Berg hinauf. Als keiner hinsah tat es plötzlich einen Schlag und Oli lag am Boden. Scheinbar hatte der Hund ihn hinterrücks vom Bike geholt. Zum Glück fiel Oli auf eine weiche Wiese und zum Glück war auch kein Kuhfladen in der Nähe. Kurz darauf erreichten wir die steinerne Stadt und fuhren weiter Richtung Passo Sella Dolomiti Mountain Resort. Nachdem wir schlussendlich diese fiesen Anstiege genommen hatten, bekamen wir die Belohnung für unsere Mühen. Ein geiler Trail, nur für Biker, lag vor uns. Mit Anlegern (für besonders Schnelle) und sogar kleineren Drops (für besonders Mutige). Schnell waren die Freunde auf der rasanten Abfahrt weit weg. Aber auch dem besonnenen Biker gefiel der Trail sehr. Natürlich musste im Übermut unser Karl sich kurz von seinem Bike verabschieden und unsanft mit dem Schotter Kontakt aufnehmen. Die Kratzer an Arm und Bein konnten seiner Freude jedoch keinen Abbruch tun. Schlotti dagegen erwies sich mit seinem giftgrünen Cheetah als wahrer Downhill-König. Furchtlos raste er jeden noch so steilen und schwierigen Trail hinab. Harry, der großes Aufsehen mit seinem gut 20 Jahre altem Canyon mit gelben Inferno-3-Speichen-Felgen und der antiken HS33 Bremse erregte zeigte, dass man auch mit altem Material schnell unterwegs sein konnte. Furchtlos wie eh und je schoss er die Pisten hinab. Steffen überzeugte mit seinem neuen Carbon-Renner sowohl im Uphill, als auch im Downhill. Der Tag schien wirklich perfekt zu werden. Zur Mittagszeit gab es im Rif. Col de Burz in der Sonne eine kohlenhydrathaltige Stärkung. Weiter ging die Tour über tolle Trails – Steffen schien jedes Stückchen Erde vom Skifahren zu kennen und prahlte mit seiner Ortskenntnis. Auf einer relativ unspektakulären Abfahrt zeigte Karl, warum wir ihn ab jetzt No-Way-Karl nennen sollen. Zunächst rutschte er in einer Haarnadel-Kurve mit dem Vorderrad weg und knallte hart auf den Boden. Dabei zog er sich an der Wange einen tiefen Schnitt zu. Nach semi-professioneller Erstversorgung durch Dr. Harry und Dr. Christian ging es dann rasch weiter. Doch wer hätte mit Karls Hartnäckigkeit gerechnet. Schon wenige Kehren weiter, wollte er sein ganzes Können zeigen und nahm die Diretissima anstatt der vielen Kehren. Ging auch recht gut, dem ersten Baum der im Weg stand wich er noch elegant aus, tauchte geschickt unter den Ästen hindurch und nahm schwungvoll Kurs auf den darunter liegenden Weg. Leider verpasste er in dieser zugegebenermaßen schwierigen technischen Situation das Vorderrad vor dem finalen Drop anzulupfen. Statt weich auf den Rädern, landete er hart auf dem Rücken. Ein Monsterschreck für alle! Zum Glück überstand er diesen spektakulären Sturz ohne irgendwelche weiteren Verletzungen. Oli, der hinter Karl herfuhr und dieses waghalsige Manöver aus nächster Nähe beobachten konnte, wollte ebenfalls etwas ganz Spektakuläres machen und legte sich erst mal ab um dann, eher wenig elegant, auf seinem Hintern den Hang hinunterzurutschen. Nachdem dieser Horror-Abschnitt bewältigt war und keine weiteren Verletzungen festgestellt wurden, wollten wir die Fahrt fortsetzen. Der restliche Teil des Weges war geprägt von tiefem Schotter. Oli wollte, wie es schien, auf diesem recht breiten Weg Karl noch Mut und Trost zusprechen, doch in Wirklichkeit bereitete er vor den Augen aller Memmen seinen finalen Stunt vor. Wie aus dem Nichts warf er sich vom Bike und machte eine schöne Rolle vorwärts im Schotter. Leider schaffte er es nicht mehr in den Stand zu kommen, so dass er zum einen mal wieder ein ganzes Stück auf seinem Hintern rutschte und zum anderen dadurch auch nur verhaltenen Applaus bekam. Fortan musste ich nicht mehr ganz alleine am Ende des Feldes fahren. Der Verhaltensbiologe bezeichnet dies als „Lernen durch Versuch und Irrtum“. Ab diesem Zeitpunkt waren dann die Fronten geklärt und es kam zu keinen weiteren Stürzen. Weiter ging es über Cherz nach Corvara. Am Grödener Joch jedoch verließen uns unsere Navigationskünste. Statt den korrekten Weg über den Sella de Culac und Plan de Gralba hinab nach Plan, fuhren wir den Weg über Linacia nach Plan. Dies tat aber der Tour keinen Abbruch. Im strahlenden Sonnenschein beendeten wir den ersten Tag und kamen glücklich am Hotel an. Während die fast komplette Gruppe den Tag bei einem Bierchen ausklingen ließ, wurde Karls Schmiss an der Wange von einem geschäftstüchtigen Arzt genäht.

Strecke: 55,6 km, 3070 Hm (1820 Hm per Gondel, 1250 Hm per Bike) 

 

Tag 2: Die Sella Ronda im den Uhrzeigersinn – eine wirklich runde Sache

Der zweite Tag startete erneut mit herrlichem Sonnenschein und einem weiteren großartigen Frühstück. Diesmal wollten wir alles besser machen: Die Tour sollte diesmal tatsächlich im Uhrzeigersinn gefahren werden, wir nahmen uns vor größte Vorsicht auf den Schotterabfahrten walten zu lassen und auch Karls Lebensfreude war nach einem erholsamen Schlaf wieder da: Und siehe da, alle Vorhaben konnten diesmal umgesetzt werden. Wir starteten in Wolkenstein und gondelten entspannt hinauf zum Dantercepies. Die ersten 650 Hm waren geschafft. Diesmal waren wir richtig. Vor uns lagen wieder endlose Abfahrtsmeter auf geilen Trails und anspruchsvollen Schotterpisten. Wir surften die Trails vom Grödener Joch hinab Richtung Corvara, jeder in seinem Tempo und genossen die Landschaft, das Wetter und die Strecke. Doch dann die Überraschung. Als auch ich mit einigem Abstand um die Kurve kam, sah ich, dass die Freunde etwas abseits der Strecke um Harry herum standen. Sollte es diesmal ihn getroffen haben? Zum Glück nicht, Harry riss sich im scharfkantigen Schotter einen Stollen aus seinem Reifen. Obwohl er glaubhaft versicherte, dass der Mantel nicht so alt wie sein Bike sei, hatte manch einer doch erhebliche Zweifel an dieser Aussage. Schnell wurde der Reifen geflickt und der Mantel notdürftig repariert. Harry wollte so dann die Strasse nach Corvara abfahren und sich einen neuen Mantel kaufen. Der Rest der Gruppe machte sich auf und rauschte den Trail hinab. Zwischendurch konnten wir Harry auf der Strasse sehen, wie er ganz im Stile früherer Jahre das ein und andere Auto auf der Abfahrt locker überholte. In Corvara trafen wir uns dann im wohl einzigen Fahrradladen wieder, der Mäntel zum Verkauf anbot. Harrys Mantel wurde getauscht und schon ging die Fahrt weiter. An diesem Tag gondelten wir sage und schreibe 7 mal hinauf. In Summe sparten wir so gut 3300 Hm Aufstieg, An der Kaiserhütte machten wir eine Mittagsrast ehe es auf die letzten Kilometer ging. Traumhafter Sonnenschein war unser stetiger Begleiter. Wesentlich entspannter trafen wir schließlich am Nachmittag wieder an unserem Quartier ein und ließen uns in der Nachmittagssonne ein Bierchen schmecken.

Strecke: 60,6 km, 3620 Hm (3300 Hm per Gondel, 320 Hm per Bike) 

 

Tag 3: zur Fanes Hütte in St. Vigil - Fast wäre es rund geworden

Der dritte Tag sollte etwas Besonderes sein. Wir wollten von der Perdue Hütte in St. Vigil zur Fodara Vedla Hütte fahren. Während der Tour-Planung war von Einzelnen der Wunsch aufgekommen, mal wieder eine Übernachtung auf dem Berg, sprich in einer Hütte und nicht im Hotel im Tal zu machen. Dies hatte zur Folge, dass wir unser komplettes Gepäck in den großen Rucksack verräumen durften und mit ordentlichem Gewicht auf dem Rücken die Anstiege bewältigen mussten. Die Tour wurde dann auch ein wenig gekürzt, da zum einen die meisten Memmen über schwere Beine klagten, zum anderen Memme Oli massive Sitzprobleme hatte, die er mit einer Fettcreme zu lindern versuchte. Der Startpunkt der Tour war die Pederue Hütte in St. Vigil (1560 m). Zunächst fuhren wir mit dem Auto gut eine Stunde zur Hütte und starteten dann von dort. Mir erschloss sich nicht gleich, wohin die Reise gehen sollte. Vor uns türmte sich eine riesige Felswand mit einem noch größeren Krater auf. Es schien, dass es senkrecht nach oben ging. Doch man sagte mir nur, dass der Weg fahrbar sei und dass es schon gehen werde. Naja, so richtig überzeugt war ich noch nicht. Und ich sollte recht behalten. Steil ging es den Berg hinauf. Die Sonne brannte unerbärmlich auf uns nieder und die Wanderer, die wir überholten schauten uns mitleidig an. Meter um Meter erklommen wir die steile Wand. Bei mehr als 20% Steigung zeigte uns Oli erneut, dass er sich weder von einem wunden Hintern, noch von einer brutalen Steigung geschlagen gibt. Er fuhr tatsächlich die komplette Strecke, während alle anderen ihr Bike schoben. Der Weg und die Aussicht waren traumhaft, es ging auf Schotter vorbei am Lago Oiciodel zum Gipfel in 2174 m. Dort stand zu unserer aller Überraschung eine Skulptur, die einen Astronauten darstellt. Wir fühlten uns dem Himmel so nah. Weiter ging es steil nach unten. Diesmal leider auf nicht so gut ausgebauten, sondern auf eher schottrigen Trails zum Limosee und immer entlang des Rio di Fanes. Nach rund 20 km erreichten wir den Fußpunkt unserer Tour (1350 m) und den möglichen Abzweig nach Cortina d'Ampezzo. Leider verschlechterte sich das Wetter und es zogen dunkle Wolken auf. Die Bestätigung die Tour zu kürzen war eine reine Formsache. Mit zusammengebissenen Zähnen nahmen wir den zweiten Anstieg in Angriff. Zum Glück führte diesmal eine schmale Teerstrasse hinauf zur Ra Stua Hütte auf 1691 m wo wir uns mit einem lecker Essen belohnten. Jetzt war es nicht mehr so weit. Die letzten Meter ging es wieder auf Schotter hinauf, es war heftig und anstrengend, aber auf einmal tauchte eine Hütte am Gipfel auf. Es war die Sennes Hütte auf 2126 m Höhe und Oli versicherte uns, dass es keinen Meter mehr rauf gehen würde. Schnell wurde beschlossen, dass hier nochmal Rast gemacht wird, bevor die wirklich letzten Meter zum Ziel in Angriff genommen werden. Dies wäre aber auch beinahe unser Verhängnis gewesen. Denn auf der Hütte lebte ein kleines Hausschwein, das frei herumlaufen durfte. Und eben dieses Schwein fand großen Gefallen an unseren grobstolligen Reifen. Mit viel Genuß versuchte die Sau in die Reifen zu beißen, scheiterte aber an der Dicke. Nichts unversucht lassend wollte das Vieh dann eben unsere Schuhe annagen. Nur mit einem Klaps auf den Schinken lies das Schweinchen von seinem Vorhaben ab, sprang aber quitschvergnügt zwischen uns Bikern herum. Jetzt kam der letzte Abschnitt der Tour. Nach wenigen Kilometern, genaugenommen nach 3 km erblickten wir dann im letzten Sonnenschein unsere Fodora Vedla Hütte (1964 m). Schnell war das erste Bier auf der Terrasse geordert und getrunken, denn schon kurze Zeit später erschallte ein dumpfes Donnern und während des Abendessens ging ein heftiges Gewitter nieder. Harry fand eine Gitarre und nach dem Essen erschallten altbekannte Lieder in der Hütte. Einige Gäste saßen vor dem Speisezimmer und lauschten unserem, mit steigendem Alkoholkonsum besser werdenden Gesang. Ach ja, nach einem Blick auf die Touraufzeichnung wurde jedem klar, dass es tatsächlich fast rund geworden wäre. Wir befanden uns doch tatsächlich nur wenige Kilometer von unserem Startpunkt entfernt.

Strecke: 31,7 km, 1415 Hm

 

Tag 4: Der Abschluss – Jetzt wird es rund

In der Nacht hatte es heftig gewittert und geregnet. Jetzt am Morgen, war es wieder sonnig und klar. Jedoch hatte das Gewitter tiefe Gräben in den Boden gemacht. Bei Sonnenschein, schließlich waren wir auf gut 2000 Meter Höhe über dem Nebel, starteten wir die letzte Etappe. Und jetzt wurde der Kreis geschlossen. Schon nach einer Viertelstunde und nur rund 3 Kilometer Fahrtstrecke waren wir wieder an unserem Auto angekommen. Das war dann der schnelle finale Abschluss der Tour. Die letzten 400 Höhenmeter waren vernichtet.

Strecke: 3,07 km, 21 Hm

 

Überlegungen zum Abschluss:

Ich denke, wir Memmen gehören einer aussterbenden Rasse an. Mittlerweile ist die Anzahl der e-Biker sagenhaft angestiegen. Mittlerweile dürften mehr als die Hälfte aller Biker in den Alpen elektrisch unterstützt unterwegs sein. Erschreckend dabei ist zu beobachten, dass hierbei oftmals die grundlegenden Schutzausrüstungen wie Helm, Brille und Handschuhe fehlen. Ich bin sehr gespannt, wann die Unfälle mit solchen Bikern soweit Überhand nehmen, dass eine generelle Sperrung der Wege für uns Biker eingeführt wird. Ich kann nur an Alle appellieren hier vernünftig zu sein und Schutzausrüstung zu tragen.

Die Sella-Gruppe ist ein absolutes Highlight in den Alpen. Noch nie habe ich so tolle Trails gesehen, dies ist der größte mir bekannte öffentliche und kostenlose Bikepark. Allerdings habe ich auch selten so heftige Schotterabfahrten gemacht. Der grobe, lose Schotter stellt doch eine echte Herausforderung dar. Hier gilt es äußerste Vorsicht walten zu lassen.

Im Großen und Ganzen jedoch war es eine hammergeile Tour mit tollen Freunden, tollen Ausblicken und tollen Strecken. Danke an Alle, die diese Tour organisiert haben.