Mittwoch, 29.05.2002. Wir sind auf dem Weg zu einer laut Presse “gigantischen, ja sogar der größten” Skate-Charity-Veranstaltung Deutschlands. Der Dom-Skate-Marathon findet erstmals statt. Zeitgleich um 18:00 machen sich in Speyer und Worms Inline-Skater auf den Weg nach Worms. Dabei soll jeweils ungefähr die typische Marathon-Distanz von ca. 42 km zurückgelegt werden. Der Erlös dient zur Finanzierung der Dom-Instandsetzungen. Wohltätigkeit und auch noch Spaß dabei? Das ist ein Fall für uns.

So sind auch wir kurz vor dem Startzeitpunkt in Speyer und spenden 5 Euro für den guten Zweck. Das dabei erworbene Anhängerlein dient dann auch gleichzeitig als Rückfahrkarte. Bevor es losgeht bunkern wir noch ein paar Traubenzuckerli, lauschen kurz unserem Ministerpräsi Kurt Beck und drängeln uns ein wenig nach vorn.

Bereits nach wenigen Metern kommt es auf leicht abschüssiger Strecke zu den ersten Stürzen. Als Folge davon zieht sich das Feld schnell auseinander. Das vorgegebene Tempo ist auch deutlich höher als erwartet. Doch wir wollen hinter dem scheppernden Techno-Beetle von RPR bleiben. Bei dem sonnigen Wetter fließen schnell die ersten Schweißtropfen. Gefährlich für alle Skater ist “Jesus”, ein älterer Mann mit Wanderstöcken auf Skates. Mit seinen Ausholbewegungen versetzt er seine Umgebung in Angst und Schrecken.

Am Ortseingang Waldsee muss dann auch gleich ein Stop eingelegt werden. Ca. 15 Minuten sind notwendig, damit sich das Feld wieder verdichten kann. Und das bereits nach ungefähr 6 km. Jesus wird hier aus dem Feld gezogen und muss ab sofort vor der Masse neben dem Beetle herskaten. Das Tempo wird nun auch etwas moderater. Die Strecke führt auch Land- und Hauptstraßen durch Neuhofen, Rheingönheim , Mundenheim ans Sudwest-Stadion. Mittlerweile ist der erste Lumpensammlerbus gut gefüllt.

Halbzeit. Bei Mineralwasser und Bananen ist Erholung angesagt. Weitere Skater stossen hinzu. Haben die es nicht rechtzeitig bis 18:00 nach Speyer geschafft? Oder war Ihnen die Strecke zu weit? Egal. Das Feld wird größer und das schadet sicher nicht. Die erhofften Teilnehmerzahlen erscheinen subjektiv nicht erreicht.

Positiv fällt auf, dass die Veranstaltung top organisiert ist. Es sind massenweise Hilfskräfte im Einsatz. Leider säumen nur wenige Zuschauer die Straßen.

 

Schon kurz nach dem Start zum 2. Streckenabschnitt wieder böse Stürze. In der Saarlandstraße legt sich eine Skaterin genau an einem Baustellen-Nadelöhr hin. Wir kommen gerade noch heil daran vorbei, dann gesellen sich weitere Skater zu ihr. Es geht weiter durch Ludwigshafen, an der BASF vorbei. Kurz vor Auffahrt auf die B9 nach Worms nochmals eine Feldverdichtungspause.

Doch dann geht es auf zum eigentlichen Highlight der Strecke: Die B9 ist in Richtung Worms komplett gesperrt. Jeder kann sein bevorzugtes Tempo fahren, bei Bedarf auch am Limit. Aus Richtung Nachtweide kommend stehen LKWs und müssen warten. Das kann jetzt dauern ...

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang stehen wir am Ende der B9. Das Feld sammelt sich zum kollektiven Einlauf nach Worms. Die Strecke ist fast geschafft.

In Worms herrscht Partystimmung. Es ist megavoll. Doch wo sind die vielen Getränkestände? Da wir keinen Bock auf ewiges Anstehen haben, beschließen wir mehrheitlich (doch nicht einstimmig) unseren Durst in Speyer zu stillen und machen uns umgehend auf den Weg zum Bus.

Dass wir für die 5 Euro abschließend noch eine kleine Pfalzrundfahrt erhalten würden, hätten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet. Währenddessen steigt Christian’s Unmut: “100.000 feiern in Worms und ich sitz hier im Bus und mach ‘ne Rundreise.” Da der Fahrer seine Routenbeschreibung nicht ordentlich auswendig gelernt hatte, verpasste er Abzweigungen und verlor kurz vor dem Ziel auch noch vollends die Orientierung. Dank kräftiger und lautstarker Unterstützung der Insassen, erreichten wir nach 80 Minuten doch noch unser Ziel.

Fazit: Die Marathon-Distanz fiel leichter als erwartet. Dennoch ist es ein wunderbares Gefühl, danach die Skates auszuziehen ...