Vier gewinnt

....Mundenheimer Strasse, ich laufe. Und dies so richtig mit Laufshirt, neuen, aber eingelaufenen Schuhen, Startnummer und Chip am Bein. Warum nur? Wie konnte es soweit kommen?

Rückblick: August oder September 2007

Joggel fragt bei uns Memmen an, wer denn Lust hätte den Team Marathon im Mai 2008 zu bestreiten. Er hatte noch einen verbilligten Startplatz vom damals abgesagten Marathon übrig und wollte die komplette Distanz nicht alleine in Angriff nehmen. Sofort war klar, dass ich mitmachen würde. 10 km sollte man auch ohne spezielles Training laufen können. Auch Michael und Andreas sagten spontan zu. Der Event geriet dann in Vergessenheit. Dann kam im Januar die Hiobsbotschaft: Andreas fällt aus. Jetzt musste Ersatz her. Glücklicherweise konnte Carmen als echte Memmenfrau überredet und überrumpelt werden mit einzusteigen. Das Team war komplett. 4 Helden waren geboren.

1.) Mit den Großen pinkeln

Nach langer und mühevoller Beratung stand die Streckenaufteilung fest. Joggel, super austrainiert und voll Motivation sollte der Startläufer sein. Demnach war klar, dass er sich in der Startaufstellung zu den richtig guten Läufern stellen wird. Der Startblock A2 mit der Richtzeit 3h 30 min war genau richtig. Joggel konnte seine Strecke vom Wasserturm in Mannheim bis nach Seckenheim volle Pulle gehen. Danach durfte er an Michael übergeben. Sollte Joggel noch Kraft haben, dann konnte er ja zusammen mit Michael bis nach Ludwigshafen zum Berliner Platz laufen und den Halbmarathon komplettieren. Und Joggel ging ab wie die Feuerwehr. Die ersten 10 km lief er in einer Zeit von 48:47 Minuten.
Joggel: Mission erfolgreich erfüllt !

2.) Blut geleckt

In Seckenheim durfte Joggel das Staffelholz an Michael übergeben. Der sprintete sofort los als jage der Teufel persönlich hinter ihm her. Michaels Ziel war die 10 km Strecke unter 1 Stunde zu laufen. Dafür hatte er gut 30 Tage hart trainiert und mehrfach das Montagsbiken ausfallen gelassen. Der Startsprint reichte, um den völlig ausgepowerten Joggel abzuhängen. Die 11 km bis zur Halbzeit schaffte Michael in glorreichen 1:02:30 Stunden.

3.) Freude pur

Berliner Platz, es beginnt leicht zu regnen. Ich wandere ziellos an der Strecke entlang und warte auf meine Freunde. Noch passiert hier nichts. Musik kommt aus den Boxen und der Streckensprecher versucht die Stimmung hochzuhalten. Plötzlich kommt ein Auto. Die Stimmung steigt schlagartig. Der erste Läufer passiert mit Riesenschritten die Halbmarathonmarke. Der Marathon ist angekommen. Ich rechne mir aus, dass es wohl noch eine ganze Weile dauern wird, bis Michael bei mir ankommen wird. Ganz langsam schlendere ich in meine Wechselbox. Kaum angekommen geht es auf einmal ganz schnell. Aus der Läufermenge erkenne ich Michael und direkt dahinter Joggel. Lautes Rufen und hektisches Winken – die Freunde haben mich gesehen. Ich bekomme den Zeitchip ums Bein gewickelt und schon werde ich auf die Strecke geschoben und los geht's. Ich finde sofort meinen Laufrhythmus und kann den Lauf genießen. Vom Berliner Platz geht es nach Mundenheim und weiter nach Rheingönheim. Die Straßenränder sind trotz des Nieselregens von Menschenmassen gesäumt. Musik plärrt aus unzähligen Boxen. Die Leute grillen am Straßenrand und feiern Party. Hunderte von Kids stehen an der Strecke und klatschen uns Läufer ab. Ich bekomme Gänsehaut. Von Rheingönnheim führt die Strecke weiter Richtung Maudach. Hier kenne ich jeden Meter, sehe viele bekannte Gesichter in der Menge. Schon kommt der Wechselpunkt in der Siedlung in der Gartenstadt in Sicht. Dort ist für mich das Rennen beendet. Ich übergebe an Carmen. Carmen, die den längsten Streckenabschnitt vor sich hat, übte schon im Vorfeld des Laufes leichte Kritik, dass sie als vermeintlich langsamste Läuferin den weitesten Weg zurückzulegen hat. Heroisch erklärte ich ihr, dass ich selbstverständlich die 12 Kilometerchen mit ihr zusammen laufen werde. Nach 9 Kilometer Power-Lauf sollten 12 Kilometer Dauerlauf kommen.

4.) Lockeres Auslaufen?

Ich sehe Carmen direkt mitten in der Menge. Schnell ist der Chip gewechselt und weiter geht es. Ich bin nach meiner Strecke schon ziemlich matt und freue mich auf ein lockeres Auslaufen und eine entspannende Unterhaltung. Am ersten Wasserstand bleibe ich zurück und trinke etwas. Carmen schicke ich voraus. Nachdem ich meinen Wasserbecher geleert habe ist Carmen aber schon außergewöhnlich weit weg. Ich erhöhe mein Tempo und kann endlich zu ihr aufschließen. Völlig matt biete ich ihr an einen Gang rauszunehmen. Sie lächelt doch nur und erklärte, dass sie sich bei diesem Tempo richtig gut fühlt. Ich lächele gequält, sage aber nichts. Wir näheren uns der Rheinbrücke. Ich glaube jetzt sicher, dass ich Muskelkater bekommen werde. Das Tempo bleibt jedoch gleichmäßig hoch. Nach schier endlosen 5 Kilometern über die Hochstrasse und der Rheinüberquerung erreichen wir Mannheim. Sofort ist wieder Stimmung am Rande. Zuschauer jubeln und Trommler peitschen uns Läufer an. Dann kommt das Ziel am Wasserturm ins Blickfeld. Leider weiß ich, dass noch eine kleine Runde um die Augusta-Anlage zu bewältigen ist. Frustrierend ist das schon. Glücklicherweise warten am Anfang der Augusta-Anlage Joggel und Michael auf uns. Sie schließen sich uns an und gemeinsam laufen wir die letzten 2 Kilometer in Richtung Ziel. Und plötzlich haben wir es geschafft. Direkt vor uns taucht das Ziel auf. Gemeinsam überschreiten die 4 Helden den Zielstrich. Statt der angestrebten und erwarteten 4 Stunden haben wir die Strecke in sage und schreibe 3:48:27 Stunden geschafft. Wir sind grenzenlos stolz.

Tatsächlich: 4 gewinnt !!!

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