Ich dachte eigentlich, dass ich fit bin. Zumindest war ich gut drauf. In der letzten Woche ein Höhentraining in Südtirol absolviert, die restliche Woche spartanisch gelebt und zusätzlich motiviert durch den Sieg des 1.FCK gegen Bayern München. So traf ich am Erdbeerhäusel ein.

 

Wir schreiben den 28.08.2010. Nach einer einjährigen Pause war es wieder mal soweit. Eine ODM-Tour stand an. Routenplaner war kein geringerer als Oli. Für den ersten Tag standen rund 40 Kilometer und knapp 1000 Höhenmeter auf dem Plan. Da stellte sich schon im Vorfeld die Frage: „Weißherbstschorle oder Weizenradler in der Trinkflasche?“. Munter plaudernd rollten wir nach Limburgerhof zum Bahnhof. Mit dem Zug ging es nach Kaiserslautern und nachdem alle Memmen eingesammelt waren standen wir zum Start bereit:

Oli, Steffen, Zeppi, Lottel, Andreas, Joggel, Schorsch und ich.

Im Geiste ging ich die stärken und Schwächen der einzelnen durch:

  • Oli:  Neues Bike, hoch motiviert. Schon im Vorfeld extrem stark.
  • Steffen:  Zäh wie eh und je, konnte immer das angeschlagene Tempo mitgehen.
  • Zeppi:  Seit er mit neuem Bike und neuem Equipment ausgestattet ist, lässt er keine Schwäche erkennen.
  • Lottel:  Gab im Vorfeld zu bedenken, dass er kaum zum Biken, dafür aber mehr zum Häusle bauen gekommen ist.
  • Andreas: Während der Zugfahrt beteuerte er, dass er niemals so schlecht drauf war als dieses Jahr. Hausbau, Babypause, Trainingsrückstand.
  • Schorsch: Wie immer schwer einzuschätzen, da er nur selten an unseren Touren teilnimmt. Wenn aber, dann immer topfit.
  • Joggel: Regelmäßiges Spinning-Training, zurückhaltend bei den ausufernden Montagstouren.
  • Christian: Über 7000 Höhenmeter, fast 300 km in Südtirol am Wochenende davor absolviert – das spricht für sich.

Harte Hunde sind da am Start dachte ich noch. Doch kaum war der Helm aufgesetzt und der Tacho genullt ging es schon los. Michael erfreute sich noch mit Wasserspielen und schon waren wir Richtung Betzenberg unterwegs. In der Ferne sah man auf einmal eine Gruppe junger Männer, die einen geruhsamen Spaziergang zu machen schienen. Beim Näherkommen erkannten wir schnell, dass es unsere Helden vom 1.FCK waren, die nach ihrem grandiosen Sieg vom Vortag einen Regenerations-Spaziergang machten. Mit viel Ehrfurcht fuhren wir an der Mannschaft vorbei und nahmen dafür die ersten Zusatzkilometer in Kauf. Von unserer ursprünglichen Tour wichen wir ab und erreichten den Bremerhof. Noch waren alle Memmen dicht beieinander, doch man konnte schon gut sehen, dass Joggel und ich merkbar stärker schnaufen mussten als die übrigen Memmen. Zusätzlich verließen wir ab hier endgültig die befestigten Strassen. Wir tauchten in die sandigen Singletrails des Pfälzer Waldes ein. Und schon am ersten Anstieg fiel die Gruppe auseinander. Oli, Steffen, Lottel, Zeppi, Andreas und Schorsch schossen den Berg hinauf als wären sie mit Clenbuterol gedopt. Joggel und ich hingegen kämpften und mühten uns ab wenigsten auf Sichtweite zu bleiben. An diesem Ablauf änderte sich in der Folgezeit wenig: Uphill: alle weg – Joggel und ich langsam hinterher, Gerade: Abstand bleibt konstant, Downhill: Joggel vorneweg, ich wenigstens mit den Anderen zusammen.

Wir folgten dem blauen Kreuz auf der Mountainbike-Route Pfälzer Wald in Richtung Johanniskreuz. Auf traumhaften Trails führte uns der Weg teils auf sandigen Waldböden, teils auf schmalsten Singletrails den Berg hinauf zum Gipfel. Während der gesamten Auffahrt schien uns die Sonne ins Gesicht. Kaum hatten wir jedoch Johanniskreuz erreicht zogen die ersten dicken Regenwolken auf. Spontan beschlossen wir, dass jetzt die Zeit für einen leckeren Kaffee war. Wir verlegten unsere Rast vom Spielplatz am Haus der Nachhaltigkeit (sehr zu Zeppis Leidwesen) ins Kaffee Nicklis. Dort warteten wir den kurzen Regenschauer im Warmen ab. Schon bald verzogen sich die dunklen Wolken und weiter ging die Tour Richtung Eschkopfturm und weiter zum Luitpoldturm. Dort zeigten uns die Memmen Andreas, Lottel und Zeppi was Bikebeherrschung in der Praxis bedeudet. Sie meisterten die steile und glitschige Treppe vom Fuß des Turmes hinunter auf den Weg als wahre Könner. Nach dieser Einlage ging es weiter. Die Trails waren durch den Regen nun noch schwerer. Mehrfach hatte ich den Verdacht, dass sich Joggel an meinem Bike festhielt und sich von mir ziehen ließ. Irgendwann erreichten auch die letzten Memmen den Hermersberger Hof. Wieder keine Minute zu früh. Denn kaum waren die Räder abgestellt, regnete es schon wieder. Zeit für ein Mittagsmahl. Aber auch diesmal verzogen sich die Regenwolken bis nach dem Essen. Die Sonne kam raus und bei nunmehr herrlichen Sonnenschein ging es in unvermindert hohem Tempo weiter. Joggel versuchte derweil alles um die Ruhepause zu verlängern. Er versteckte seine Bikebrille so gut, dass nicht mal er sie wieder fand. Doch es hatte keinen Zweck wir wurden unerbittlich angetrieben. Unser weiterer Weg führte auf der Markierung blaues Kreuz über die Wolfsgrube, Wilgartswiese, Spinkelbach und Dimbach zum Cramerhaus in Lindelbrunn. Müde, hungrig und durstig stiegen wir vom Rad. Statt der angekündigten 41,5 Kilometer hatten wir 52 Kilometer auf unserem Tacho stehen. Doch bei tollem Sonnenschein ließen wir uns auf die Stühle im Biergarten fallen. Glücklicherweise konnten wir unseren Flüssigkeitsverlust recht schnell mit alkoholischen Elektrolyt-Getränken der Firma Erdinger auffüllen. Der Abend klang dann bei Musik und Spiel ganz gemütlich aus.

Der zweite Tag begann diesig und trüb. Über Nacht hatte es geregnet und die Wolken hingen immer noch tief. Nach einem ausgiebigen Frühstück spitzelte jedoch die Sonne durch die grauen Wolken. Geht doch! Schon kurz nach dem Start zeigte sich das gleiche Bild wie am Vortag: Alle vorraus, Joggel und ich hinterher. Wir kamen uns vor wie am Tag als Conny Cramer starb. Jedenfalls sah Joggel so aus. Er meinte durch sein intensives Kraft- und Spinning Training sei er eher zum Genussbiker denn zum Racer geworden. Seine Miene verfinsterte sich in gleicher Weise wie der Himmel. Von Lindelbrunn führte unser Weg unter Vermeidung jeglicher befestigter Bodenbeläge über Silz zur Ruine Landeck. Durch den nächtlichen Regen war der Boden mittlerweile mehrere Zentimeter tief. Auch Olis Streckenplanung zeigte jetzt seine Tücken. Innerhalb von wenigen Millimetern kreuzte der rot gestrichelte Weg auf der Karte doch recht viele Höhenlinien – und das im rechten Winkel. Will heißen es ging brutal steil bergauf. Eine irre Plackerei. Auch Steffen zollte diesem Streckenverlauf Tribut. Bei der Einfahrt zur Ruine Landeck stürzte er direkt vor einer Gruppe Fußgänger. Zum Glück blieb er bis auf einen Kratzer am Arm unverletzt. Wir nutzen die Behandlungspause zu einem Kaffee. Doch schon bald rief Oli zum Aufbruch. Es ging weiter zum Martinsturm. In Trance erreichten wir den Gipfel. Steiler ging es wahrscheinlich nur an der Nordwand des Matterhorns zu. Vom Martinsturm führte der Trail mit einer Breite von höchstens einem Meter hinunter nach Annweiler, weiter zum Krappenfels und zum Eußertal. Bis hierher hatten wir schon gut 30 Kilometer absolviert. Langsam regte sich wiederstand gegenüber dem Tourverlauf. Eine Spaltergruppe wollte den letzten Aufstieg vom Eußertal (232m) zum Pfaffenkopf (566m) nicht unbedingt antreten. Man verlangte eine Alternativroute. Zum Glück hatte Oli nach kurzem Zögern dann doch ein Einsehen mit uns. Nach kurzem Studium der Karte beschlossen wir, des sich verschlechternden Wetters natürlich, unsere Tour abzukürzen. Dankbar fuhren wir in Richtung Weinstraße, wo ja der Weinstraßentag zeitgleich stattfand. Müßig zu erwähnen, dass wir plötzlich nochmal in Annweiler waren. Doch wir fanden unseren Weg dann problemlos. Mittlerweile begann es zu regnen, so dass wir uns im einem der Höfe unterstellten und bei einem Weinschorle unser Mittagsmahl einnahmen. Auch diesmal hielt der Regen nicht allzu lange. Bald schon erreichten wir Neustadt. Hier war unsere Tour zu Ende. Joggel, Lottel und ich nahmen den Zug, die restlichen Memmen radelten mit Highspeed zurück nach Ludwigshafen. Harte Kerle eben.

Danksagung:

Ich danke Oli für die Planung dieser Tour. Ich glaube ich habe noch nie so viele geile Trails fahren dürfen. Die Strecke war ein Traum für alle Mountainbiker. Ich gelobe bis zum nächsten Jahr viel mehr zu trainieren und wesentlich fitter zu sein und ebenfalls ein harter Kerl zu werden.

Christian