Winterbiken – ein berauschendes Erlebnis

Wir schreiben den 10.12.2005. Die Outdoormemmen wissen schon seit langem, dass just an diesem Tag das traditionelle Winterbiken zum Saisonabschluss stattfinden soll. Leider konnte nicht die komplette Fraktion der Memmen an den Start gehen. Knochen-Steffen brach ein, bzw. zwei, das heißt nicht er, sondern sich und zwar beide Arme. Wellness-Oli luderte lieber lustvoll mit seiner Liebsten im Whirlpool. Auch Nasen-Michael lies es laufen – Rotz und Schleim verengten seine Atemwege.

Pfand-Joggel versetzte dagegen seine Freunde nicht. Er versilberte noch schnell einen leeren Kasten um die Zugfahrt nach Neustadt bezahlen zu können. Diamanten-Dirk überraschte alle in dem er ganz und gar ungewöhnlich in Thermohose, Thermojacke, diverse Unterziehsachen und langen Handschuhen an den Start ging. Gecko-Andreas schlachtete scheinbar noch schnell die Hauskatze um an ein wärmendes Fell, welches er um sein Leiberl schlang zu kommen. Mit dieser Ausstattung hätte jeder auch die Durchquerung Grönlands schaffen können. So gewappnet starteten an jenem denkwürdigen Samstag die Memmen, Joggel, Dirk, Andreas und Christian.

Die Sonne schien wie sie es im Sommer nicht immer tat, die Temperatur lag bei ca. 2°C. Eingemummt wie zu Zeiten der Startbahn West machten wir uns auf die Kalmit, dem Mount Everest des Pfälzer Waldes zu bezwingen.

Unser Weg führte uns direkt vom Bahnhof Neustadt von einer Höhe von 140 Metern hinauf auf 339 Metern zum Hambacher Schloss (roter Balken). Die ersten 150 Höhenmeter waren zum Warmfahren genau das Richtige. Kälte fühlte definitiv keiner. Die Sonne schien und schickte ihre wärmenden Strahlen zu uns hinunter.

Am Hambacher Schloss, dessen geschichtsträchtige Historie wir schmählich missachteten, bogen wir rechts ab und folgten einem alten Römerweg (Weinspange) hinauf. Hier zeichnet sich ein Fullsuspension Bike aus.

Das Kopfsteinpflaster welches unter dem Waldboden stellenweise herausspitzelte schüttelte uns heftig durch.

Am Parkplatz Hahnenschritt zeigte sich der erste Schnee. Mittlerweile waren unsere Füße schon fast zu Eisklumpen eingefroren. Nur Joggel mit seinem Schweißfußkocher und Andreas der jetzt mit seinen Neopren-Taucherüberziehschuhen ganz weit vorne lag hielten sich mit dem Klagen zurück.

Die letzten Meter zur Kalmit waren schnell geschafft.

Mittlerweile war es der Sonne auch genug und sie zog sich hinter dicken Wolken zurück. Die Temperatur sank merklich.

Geplant war ursprünglich die Abfahrt auf dem grün-weißen Weg über Hüttenhohl zur Totenkopfhütte. In Anbetracht der Kälte und des gefrorenen Bodens wurde aber die Strecke kurzfristig geändert. Wir nahmen die Autostraße hinunter. Mit 50 km/h jagten wir die Straße in Richtung Totenkopfhütte. Bei geschätzten 0°C Temperatur eine frostige Angelegenheit. Füße, Hände und Nasen froren ein. Da war eine Pause zum Aufwärmen angesagt. Mit letzter Kraft und Willensanstrengung schleppten wir uns in die warme Behausung. Gar freundlich Menschen boten hier wärmende Getränke und Speisen feil. Die Kollegen wechselten ihre feuchten Trikots – die haben bei gefühlten –20°C auf der Abfahrt tatsächlich geschwitzt ! Zum Glück kam Joggel schon bald mit 4 Schoppen Glühwein. Als echtes Highlight erwies sich die Idee Weihnachtsstimmung mit Plätzchen aufkommen zu lassen. Joggel hatte auch dafür gesorgt und die erste Lebkuchen-Packung wurde gierig aufgefressen. Die Speisekarte war nicht ganz nach unserem Gusto und so beschlossen wir den kurzen Weg zur Hellerhütte auf uns zu nehmen. Nach wenigen Minuten stürmten wir hungrig und durstig durch die Tür. Schnell war ein Platz gefunden und ein Becherchen Glühwein (0,5 Liter) geordert.

Nach einem herzhaften Mahl wurde ganz spontan beschlossen zum Nachtisch noch eine zweite Tüte Lebkuchen zu naschen und dabei noch ein gar so leckeres Glühweinchen zu schlürfen. Die Stimmung wurde immer lockerer. Aber auch so ein schöner Nachmittag muss einmal zu Ende gehen. Elegant wurden die Bikes bestiegen und in Folge des Glühwein-Genusses surften wir den weiß-roten Weg hinunter zur Kaltenbrunnehütte. Da ursprünglich geplant war die erste Pause hier einzulegen, beschlossen wir nicht alle Planungen über den Haufen zu schmeißen und machten noch mal eine kleine Pause. Auch hier gab es Glühwein !

Mittlerweile wurde es draußen dunkel. Nachdem der 16:05 Uhr Zug verpasst war und auch Andreas davon überzeugt worden war, dass er mit uns im Zug nach Hause fahren soll, tranken wir noch einen – diesmal jedoch einen kleinen – Glühwein. Berauscht sausten wir nun die letzten Meter zurück zum Bahnhof nach Neustadt. Den Zug haben wir dann tatsächlich gekriegt. Viel zu Lachen hatten wir auch. Zum Abschluss muss gesagt werden, dass es eine superschöne Tour war, die bestimmt auch im Sommer (bei Weißherbstschorle) reizvoll ist. Ein Lob der tollen Organisation von Joggel. Das Pfand in Lebkuchen umzuwandeln war eine klasse Idee.

Glühwein nur noch im Schoppeglas

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... und hier die nackten Fakten: Länge: 28,76 km, Fahrzeit: 1:55:52 Stunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,64 km/h, max. Tempo: 52,8 km/h, [Daten von Joggel erfragen]

P.S. Die Nachwirkungen waren dafür umso heftiger: Mich plagten Kopfschmerzen, Joggel hatte noch Montags beim Squashen Koordinationsprobleme und Dirk wollte gar keinen Glühwein mehr trinken.

P.P.S. Eigentlich wollte und sollte ich es nicht verraten, aber der Joggel hat sich bei der Abfahrt von der Hellerhütte zur Kaltenbrunnerhütte doch hingelegt. Einfach umgefallen ist er – und das fast im Stand !!! (Jetzt ist es raus und mir geht es besser und ich weiß die Rache wird fürchterlich sein und ein schlechtes Gewissen hab ich auch nicht...)