Bei der Anmeldung musterte mich Sandra kritisch von oben bis unten und wies mich dann sofort darauf hin, dass es sich um eine anspruchsvolle Tour handelt. Offensichtlich traute sie mir mit meiner Winterspeckfigur nicht zu, dass ich eine MTB-Tour lebend überstehen würde.

Bewusst hatte ich mich in die Obhut eines der beiden führenden Veranstalter begeben: free-motion. Der Verlockung, eine Tour mit einer Lefty-Federgabel zu absolvieren, konnte ich nicht widerstehen und buchte sofort für den folgenden Tag ein Cannondale Rush 5.

Unter Tourguide Dominik begleitete uns mit dem Bus zum Pico de los Nieves, mit 1949 m der höchste Punkt der Insel. Mit nur 6 Teilnehmern (1 Frau, 5 Männer) schlugen wir die Lenker auf die erste Schotterpiste des Tages ein. Bereits nach wenigen hundert Metern erkannte Claudia, dass sie eine Tagestour auf derart grobschottrigem Untergrund nicht überstehen würde und brach mit ihrem Partner die Tour ab. Da waren es nur noch 4.

4 mutige Bikerlein folgten von nun ab stets Dominiks Reifenspur: 1 Finne, 1 Österreicher und 2 Deutsche. Die Verständigung in diesem Multikulti-Team erfolgte in einem pan-europäischen, englisch-geprägten Sprachkauderwelsch – stets aber erfolgreich. Im Verlauf der Tour wechselten sich hochalpine Gesteinslandschaften, blühende Steppenlandschaften und Straßen ab. Leider ist es auf Gran Canaria nicht möglich, komplette Touren offroad zu biken, so dass ca. 1/3 der Gesamtstrecke über Straßen führt.

Sandra hatte nicht übertrieben. Der lose, schottrige Untergrund erforderte ständige Konzentration und hohes Fahrgeschick. Das permanente Durchrütteln erlahmte und verspannte schnell einzelne Muskelpartien. Ein kurzer Moment der Unachtsamtkeit – vielleicht war es auch eine Fahrtechnikschwäche – und schon hatte ich meine Lieblingsbikehose bei einem Sturz auf Schotter ruiniert. Ein guter Guide zeichnet sich dadurch aus, dass er den Teilnehmer auf Fehler hinweist. Dominik nutzte diese Gelegenheit, um mir kurz nach meinem Sturz zu zeigen, wie man sich das Knie richtig blutig aufschlägt.

Während der Tour versorgte uns Dominik mit vielen Informationen zu Land und Leuten. Die wenigen Defekte (Snakebite, Kettenriss) behob er schnell und kompetent. Überhaupt verdient die komplette Organisation der Tour ein Lob: hochwertige Bikes in gutem Zustand, kompetente Vorbereitung, Abhol-Service am Hotel etc.

Am Ende des Tages hatten wir 65 km, 750 Hm (hoch), 2200 Hm (runter) zurückgelegt, gemeinsam einen schönen und informativen Tag verbracht und uns dabei stets in guten Händen gefühlt.

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