"I see a red door
and I want it painted black
no colours anymore
I want them to turn black"

 

So, oder ähnlich muss es schon seit Jahren in Olis Seele klingen. Wollte er schon vor geraumer Zeit mit Ralf das Wagnis einer Schwarzwald-Querung angehen. Doch leider schafften sie nur die erste Hälfte der Tour, die Wellness-Etappen.

 

Doch in Olis Inneren verklang die Lust und die Leidenschaft nie die Tour zu beenden. Und so kam es eines Tages, dass tatsächlich 4 Memmen sich dran machten das Unvollendete zu beenden.

 

Oli, Steffen, Andreas und Christian wollen den Reiz des Neuen, den Reiz des Schwarzwalds praktisch erfahren. Wie immer starteten alle Teilnehmer ihr Individualtraining direkt nach der Bekanntgabe des Events.

    

 

Andreas fuhr jeden Tag 50 Kilometer zur Arbeit und machte ab und an abends noch eine kleine Trainingsfahrt zum Eckkopf. Resultat: Starke Beine, aber defekte Gabel. Am Vortag der Tour musste er auf sein Hardtail umsteigen. Leider brachte ihm das am Berg zusätzlich Vorteile, da er keine Kraft in den Dämpfer treten musste.

Steffen trainierte wild und eifrig. Er radelte was das Zeug hielt, hatte aber kurz vor Tourstart ein Knacken ausgemacht und war sich nicht sicher, ob es von seinem Knie oder dem Tretlager kam. Zweifel stiegen in ihm auf.

Oli, er fuhr zum Saisonstart viel und hatte mächtig Druck auf dem Pedal. Unglücklicherweise klappte die Superkompensation bei ihm überhaupt nicht. Eine Woche vor dem Start einen Wellness-all-in-Urlaub auf Mallorca zu verbringen war suboptimal.

Christian: Ich war mir sicher die Form vom letzten Jahr durch fleißiges Training mitnehmen zu können. Leider setzte auch bei mir der Jojo-Effekt ein und die Körpermasse ging rauf, während die Kondition runter ging. Zudem nerve mich und meine Mitfahrer ein erbärmliches Knarzen an meinem Bike. Trotz Austausch der Sattelstütze, der Antriebseinheit und des Sattels war der Sache nicht beizukommen. Erst am Vortag schaffte ein säubern und schmieren der Wippe endlich dauerhaft Abhilfe (Danke Steffen N, du bekommst bei Gelegenheit ein Bier für diesen Tipp).

 

Tag 1: schwarzes Training (Wolfach – Hornberg)

Wir machten uns am Donnerstagmorgen Richtung Schwarzwald auf. Unser erstes Ziel hieß Offenburg. Hier liesen wir die Autos stehen und fuhren mit dem Zug nach Wolfach, unserem Startpunkt. Zur Orientierung hatten wir erstmals ein Navigationsgerät dabei, auf dem die Blackforrest X-ing Route von Oli aufgespielt wurde. Ganz old-style hatten wir natürlich auch Karte und Kompass dabei. Was sollte da noch schief gehen.

Navi an, kurz die Gegend gecheckt und los. Schnell fanden wir den Einstieg auf die X-ing Strecke und dank der modernen Technik fanden wir unseren Weg. War zu Beginn auch gar nicht schwer, führte der Weg doch kontinuierlich bergauf. Nach gut 15 Kilometer hatte die Plackerei ihr vorläufiges Ende. 500 Hm standen schon auf der Habenseite und der Tag war noch lang, und heiß. Jetzt zeigte sich, dass sich das schwarze Training von Andreas und Steffen auszahlt. Beide radelten scheinbar mühelos den Berg hinauf und plauderten munter drauflos. Oli versuchte an der Bergankunft Brechsattel eben diese zu verhindern, was ihm recht ordentlich gelang. Aber absetzen konnten sich unsere Freunde nicht. In Lauterbach hielten wir ein kleines Mittags-Päuschen für angebracht. Beim Fronleichnam-Fest des örtlichen Singvereins gönnten wir uns ein Bier, natürlich alkoholfrei und ein Würstchen, natürlich nicht Andreas. Plötzlich kam Unruhe in die Gruppe. War dies der erfrischenden Jugend der Bedienung geschuldet? Natürlich nicht. Oli entdeckte, dass in diesem kleinen Dorf, an der griechischen Taverne, die alte Kunst des Stockbrotbackens auflebte. Schnell war ein Kaffee und ein großes Stockbrot bestellt. Gierig stopften die Memmen nach Fressköppe-Manier das warme, fettige Weißmehlgebäck in ihre Münder. Einfach lecker. Doch so schön der Platz hier in der Sonne war, wir hatten erst 29 km und gut 600 Hm unserer Etappe geschafft. Noch in Lauterbach ging es dann mit 24% Steigung rund 150 Hm hoch. Das Stockbrot und der Kaffee rumorten gefährlich im Magen, doch zum Glück ging alles gut. Der Rest der Etappe verlief dann ganz glatt und wir erreichten Hornberg. Müde liesen wir uns am Rathaus an einer Eisdiele nieder und da der Durst so groß war, und da unsere Unterkunft, Schloss Hornberg, schon in Sichtweite lag, gönnten wir uns unser erstes richtiges Bier. Die erste Etappe war praktisch gemeistert. Nach der Erholungspause ging es dann direkt hoch zum Schloss, wo wir einen traumhaften Ausblick über Hornberg genießen durften und alles über das berühmte Hornberger Schießen erfuhren.

Start: Wolfach 10:50 Uhr, 271bm, Sonne, 25°C

Ziel Schloss Hornberg: 17 Uhr, 452bm, Sonne, 32°C

Tour: 45,97bkm, 1373 Hm, 3hb30min, Durchschnitt: 13,7 km/h, max. 57 km/h, max. Steigung: 24%

Unnötig zu sagen dass unserem Andreas direkt nach dem Essen erst die Augen zufielen, und er dann auch direkt ins Lummerland abtauchte. Der Rest der Gruppe gönnte sich derweil noch einen kleinen Schlummertrunk an der Schlossbar.

 

Tag 2: schwarzer Freitag

Der zweite Tag lastete schwer auf unserem Gemüt. Zum einen stand die härteste Etappe an und zum anderen war die Wetterprognose schlecht. Man prognostizierte Regen am Nachmittag. Aus diesem Grund standen wir früh auf und starteten schon um 8:30 Uhr in die Etappe. Unser Weg sollte von Schloss Hornberg nach St. Peter führen.

Bei bedecktem Himmel und frischen 20°C fuhren wir los. Da laut Navi diese Etappe in der Original-Tour 2600 Hm gehabt hätte, hatten Oli und Steffen im Vorfeld versucht dies ein wenig zu entschärfen. Daher verließen wir die X-ing Route und folgten einer Brotkrümel Tour aus dem Internet. Leider war diese Tour deutlich schlechter aufgezeichnet, als die X-ing Tour. So kam es, dass wir deutlich öfter anhalten mussten um die Karte rauszuziehen und den weiteren Weg zu suchen. Unser Weg führte uns über eine Strecke von gut 30 km 800 m hinauf. Zum Glück hielt das Wetter bis hierher. Um die Mittagszeit erreichten wir das Naturfreundehaus Brend, wo wir unser Mittagsmahl einnahmen und sogar die ersten Sonnenstrahlen sehen durften. Nach dieser Pause ging es dann locker und leicht weiter. Es folgte eine 10 km lange Abfahrt. Doch auch dieser Spaß war irgendwann vorbei und es fehlten immer noch einige Höhenmeter auf unserem Tacho. Ein letzter Anstieg von 550 Hm und wir waren oben. St. Peter war erreicht. Schnell noch im örtlichen Supermarkt Wein und Knabberkram eingekauft – auch diese Etappe war gemeistert. In St. Peter kam dann noch die Sonne raus, so dass wir unser Ziel-Bierchen und einen leckeren Eisbecher in der Sonne genießen konnten. Eine besondere Überraschung stand Andreas und mir dann doch noch bevor. Beim Betreten unseres Zimmers blieben wir zunächst wie angewurzelt stehen. Unser Bett zierte ein Baldachin und zahlreiche rote Herz-Kissen waren auf dem Bett drapiert. Was war denn das? Des Rätsels Lösung: Wir hatten das Hochzeitszimmer bekommen. Nach einem super schmackhaften Abendessen, konnten alle Memmen den Spirit dieses Raumes genießen und bei Wein, Bier und Chips den Abend ausklingen lassen. Trotzdem, glaube ich, hatte Andreas in der Nacht angst.

Start: Schloss Hornberg: 8:30 Uhr, 452 m, bedeckt, 20°C

Ziel: St. Peter: 16:00 Uhr, 724 m, Sonne, 30°C

Tour: 50,03 km, 1973 Hm, 4h 45min, Durchschnitt: 11,8 km/h, max. 61 km/h, max. Steigung: 24%

 

Tag 3: schwarze Arme

Nachdem wir den 2. Tag problemlos gemeistert hatten, starteten wir froh gelaunt in die 3. Etappe. Unser Weg sollte von St. Peter zum Feldberg, dem Dach der Tour gehen.

Bei jetzt strahlendem Sonnenschein und super Prognose starteten wir in St- Peter, geführt von unserem Navi. Doch schon nach 50 m war Schluss. Der Weg war unklar. Doch wieder rettete uns die Karte und wir konnten unseren Weg fortsetzen. Die ersten 10 Kilometer waren ziemlich locker. Es ging eigentlich nur bergab. Dafür ging es dann die nächsten 15 Kilometer stetig bergauf. Von 400 m schraubte sich unser Weg auf knapp über 1000 m hinauf nach Breitnau. Schon zu Beginn der Auffahrt waren wir uns einig, dass es entweder im BASF Haus Breitnau oder im Dorf selbst einen Kaffee geben sollte. Gegen Mittag erreichten wir dann auch das Haus Breitnau, doch leider konnten wir dort keinen Kaffee bekommen. So machten wir halt auf der Terrasse eines Hotels unsere Pause und stärkten uns bei Kaffee und Kuchen.  Unterwegs entschieden war, dass wir diesmal unsere Mittagspause als Picknick machen wollten. Wir hielten also am nächsten Supermarkt an und kauften Brot und Käse. Am Titisee fanden wir dann ein schönes Plätzchen in der Sonne, an dem wir es uns gut gehen lassen konnten. Jetzt nur noch hoch zum Feldberg. Bei brütender Hitze erreichten wir schließlich den Seebuck (1250 m). Das Dach der Tour war erklettert. Die Sonne brannte unerbärmlich auf uns nieder, aber das konnte uns nicht davon abhalten schon mal auf die gelungene 3. Etappe anzustoßen. Unsere Unterkunft, der grüne Baum in Altglashütten, war schnell gefunden. Einen flotten Durchgang in der Sauna, geduscht und zu Abend gegessen – es stand noch Public viewing auf dem Programm. Deutschland – Ghana endete  2  : 2. Wir konnten beruhigt schlafen gehen.

Start: St. Peter: 9:00 Uhr, 724 m, Sonne, 20°C

Ziel: Feldberg: 17:15 Uhr, 1073 m, Sonne, 28°C

Tour: 61,36 km, 1568 Hm, 4h 10min, Durchschnitt: 15,2 km/h, max. 63 km/h, max. Steigung: 20%

 

Tag 4: schwarze Abfahrt

Der letzte Tag begann. Heute sollte ein lockeres Abfahren nach Freiburg auf dem Programm stehen.

Wir starteten bei super Sonnenschein vom Feldberg und moderat ging es die ersten 10 Kilometer auf und ab. Dann begann die Abfahrt nach Freiburg. Auf 25 km verloren wir unsere mühsam erstrampelten 1000 Hm und kamen recht entspannt in Freiburg an. Kurze Erholungspause an und in der Dreisam. Die Tour war vorbei. Jetzt nur noch mit dem Zug zurück nach Offenburg zum Auto.

Start: Feldberg: 9:00 Uhr, 1073 m, Sonne, 20°C

Ziel: Freiburg: 12:00 Uhr, 282 m, Sonne, 27°C

Tour: 36,27 km, 355 Hm, 1h 50min, Durchschnitt: 21,3 km/h, max. 62 km/h, max. Steigung: 15%

 

Black Friday,
Black Adder,
Black Sabbath,
Black Jack,
Black Hole,
Black Forrest,

Ich muss sagen: Black is beautiful.

Schwarzes Training – ist nicht nötig, wir waren alle immer zeitgleich am Gipfel.
Schwarzer Freitag – gab es nicht, da sowohl Wetter, als auch Kondition hielt.
Schwarze Arme – eher braun und dank Sonnenmilch ohne Sonnenbrand.
Schwarze Abfahrt – ein entspanntes Ausrollen zum Abschied – toll wars.

Diese Tour war super. Der Schwarzwald ist tatsächlich ein Highlight. Zunächst dachte ich, dass sich langweilige Schotterauffahrten mit noch langweiligeren Schotterabfahrten abwechseln würden. Dies war zum Glück nicht der Fall. Natürlich sind die meisten Trails aus Schotter, aber wir haben auch tolle Waldabfahrten meistern dürfen. Im Gegensatz zu unserem Pfälzerwald findet man hier deutlich weniger technisch schwierige Trails, aber dafür kann man Auffahrten von 500 Höhenmeter am Stück finden.

Was aber auch deutlich wird, die Beschilderung der Wege ist teils chaotisch. Es gibt nur gelbe, rote und blaue Rauten und manche Wegweiser zeigen in alle Richtungen das gleiche Ziel. Zum Glück hatten wir ein Navi dabei, bei dem die X-ing Tour perfekt aufgezeichnet war. Man muss sich halt zuerst frei machen und darf auf keinem Fall irgendwelchen Markierungen folgen. Das Navi kannte den richtigen Weg.

Abschließend kann man sagen, wir waren alle fit und kamen immer gleichzeitig am Gipfel an. Technische Pannen und Stürze gab es keinen einzigen. Die Tour war super und ich kann mich nur bei allen Organisatoren für dieses Erlebnis bedanken. War bestimmt nicht zum letzten Mal im Schwarzwald.

Christian