„Warscht Du ämol uffm Falkenstein, oder am Arbersee,

hast Du ämol moins am Himmel, die Regewolke geseh,

hot dann doch de ganze Dag, des Wetter gut gehalt,

dann warscht sicher mit uns, im scheene Bayern-Wald.“

 

Wohin nur sollte unsere diesjährige Frühsommer-Tour gehen? Diese Frage beschäftigte uns den ganzen Winter, bis Schorsch plötzlich eine Tourenbeschreibung aus der Mountainbike-Zeitschrift rumschickte: Bayrisch Kanada stand da in großen Lettern. Waldige Alternative zur Alpenüberquerung: Ein Cross quer durch den Bayrischen Wald. Da konnte die Memmenschar gar nicht anders als „ja“ zu sagen. Und als Steffen es sogar schaffte einen bezahlbaren Gepäcktransport für uns zu organisieren, war die Sache geritzt. Die Tour sollte vom 31.05. - 03.06. stattfinden.

An der Tour wollten folgende die Memmen teilnehmen:

Schorsch als Tourguide

  • Steffen, als Tourorganisator

  • Jens, als Chauffeur

  • Andreas, als Techniker

  • Thomas, als Tourneuling und

  • Christian, als Berichterstatter

Leider schied unser Thomas dann doch kurzfristig aus. Bei der Generalprobe eine Woche vor dem Start übertrieb er es in der Abfahrt vom Eckkopf und machte einen Kopfstand direkt vom Rad aus. Dies zerstörte zum einen seinen Helm und trug ihm zum anderen eine gehörige Gehirnerschütterung ein, die einen Start an der Tour unmöglich machte. Somit starteten wir also nur zu fünft in unser Abenteuer Bayernwald.

 

Tag 1: Weißenstein – Sankt Englmar

 

Start der Tour war der Parkplatz der Burgruine in Weißenstein. Während Jens und Schorsch schon einen Tag früher angereist waren und fit und ausgeschlafen am Parkplatz warteten, kam der Rest der Truppe direkt von zu Hause. Abfahrt nach Weißenstein war um 5 Uhr. Pünktlich um 10 Uhr standen die Memmen dann vollzählig bereit zur Abfahrt in den Bayernwald-Cross. Bei herrlichem Wetter ging es los in Richtung Sankt Englmar. Nach 16 km erreichten wir den Geißkopf. Dort konnten wir den ersten Bikepark Europas begutachten. Leider hatten wir keine Zeit dort die Trails abzufahren, die Zeit drängte und wir mussten weiter. Die nächsten 10 km ging es auf flowigen Trails hinunter nach Mühlen. Jetzt stand der nächste Anstieg an. 400 Hm hinauf auf den Vogelsang. Auf dem Anstieg fanden wir kurz vor dem Gipfel einen schönen Platz um unser Mittagessen einzunehmen. Diesmal stand ein Picknick auf dem Programm. Die Reste der mitgebrachten Verpflegung für die Fahrt wurde zu sich genommen. So gestärkt ging es dann weiter. Jetzt begann auch die Leidenszeit von Andreas. Zuerst verkeilte sich ein Stein in seiner Schaltung, später beim Aufstieg zum Hirschenstein-Gipfel fiel ihm dann auf, dass ein Kettenglied fest war. Der findige Techniker wusste sofort was zu tun war, er nietete das schwergängige Glied einfach aus. Durch seine technische Fähigkeit, konnte er sogar den Kettenniet nochmal verwenden. Die Tour konnte weiter gehen. Am Ende der Etappe stand dann noch ein Highlight an. Nach Stankt Englmar führte uns ein toller Singletrail über Wurzeln durch den Wald. Mit einem breiten Grinsen erreichten wir unseren Zielort. Die Tour hätte hier enden können. Leider jedoch mussten wir noch weitere 200 Hm in den benachbarten Ort Hirschenstein abfahren. Denn genau dort war unsere Pension gelegen. Schon bei der Abfahrt machte sich ein wenig Unmut breit, da am nächsten Tag zu den geplanten 1800 Hm noch weitere 200 Extra-Höhenmeter drohten. Als wir aber dann auf der Terrasse in der Sonne saßen und unser erstes Weizenbier genießen konnten, waren aber alle Sorgen verflogen.

Tag 2: Sankt Englmar - Zwieslerwaldhaus

Strecke: 69,17 km, 5h 50min, 1623 Hm, Durchschnitt: 11,74 km/h

 

Am zweiten Tag stand der Höhepunkt der Tour an: Der Große Arber. Die Wetterprognose war eher bescheiden, es wurde Regen vorausgesagt. Doch vor allem stand das Problem der Extra-Höhenmeter noch im Raum. Zum Glück fand Jens heraus, dass am Morgen ein Bus von Hirschenstein hoch nach Sankt Englmar ging. Wir beschlossen es einfach mal zu versuchen. Tatsächlich kam der Bus fast planmäßig und glücklicherweise nahm er uns auch mit. Das erste Problem war gelöst. Der Weg führte uns nun entlang dem Bächlein Regen über einen spektakulären Wurzeltrail. Durch den Regen (Achtung Wortspiel) am Ufer des Regens in der Nacht waren die Wurzeln total glatt und schwer zu fahren. Zusätzlich drohte bei einem Wegrutschen noch ein Köpfer in den Bach. Doch durch zügiges Überfahren der nassen Wurzeln war dieser Trail dann doch einigermaßen zu meistern. Die Regenwolken, die drohend über uns hingen, zogen glücklicherweise von uns weg, so dass die Regenklamotten im Rucksack bleiben konnten. Der Aufstieg zum Großen Arber begann recht angenehm, die Steigung nahm aber stetig zu. Am Ende war es dann doch extrem steil und knackig. Aber auch das konnte uns nicht stoppen und wir erreichten den Gipfel, der leider ziemlich wolkenverhangen war. Nach einem stärkendes Mittagsessen in der warmen Hütte ging es weiter. In der Abfahrt passierte dann Teil 2 von Andreas Drama. Mitten in einem Gegenanstieg riss ihm bei voller Fahrt die Kette. Von Weitem sah es aus, also ob Andreas ein tollkühnes Kunststückchen vollführte und dann abrupt stoppte. Aufgeregt kam er der Gruppe entgegen gelaufen und suchte seine Kette, die nach dem Riss katapultartig nach hinten herausgeschleudert wurde. Nachdem das doch wichtige Antriebsteil einige Meter weiter am Wegesrand gefunden war, wurde das gute Stück mit einem frischen Kettenstift zusammengenietet und fortan war das Thema Kette für Andreas gelöst. Am späten Nachmittag erreichten wir dann unseren Zielort Zwieslerwaldhaus. Nach einigen Irritationen über die richtige Unterkunft und das angemessene Verhalten beim Betreten des Biergartens ging auch diese Etappe zu Ende. Der Abend konnte bei einer Riesen-Curry Wurst und Schnitzel ausklingen.

 

Tag 3: Zwieslerwaldhaus - Modrawa

 Strecke: 50,34 km, 4h 00min, 1482 Hm, Durchschnitt: 12,56 km/h

 

Der dritte Tag startete mit einem etwas freundlicheren Wetter. Die Prognose für diesen Tag war aber weiterhin eher schlecht. Wir beschlossen früh zu starten um genug Zeit für Pausen oder Unterbrechungen zu haben. Zunächst führte uns unser Weg recht knackig hinauf auf den Großen Falkenstein. Ab jetzt änderte sich das Gelände. Waren wir vorher größtenteils auf Trails unterwegs, führte uns jetzt unser Weg über Forststrassen. Im Nationalpark war es nicht erlaubt, diese Forstwege zu verlassen. Hier wurde die Natur sich selbst überlassen. Gegen 11 Uhr überschritten wir die Deutsch-Tschechische Grenze. Es schien, als sein man hier von jeglicher Zivilisation abgeschnitten. Auch die Natur zeigte ein neues Gesicht. Die Bäume an der Bergkuppe am Aussichtspunkt Polednik waren gänzlich kahl. Eine Ungezieferplage war für dieses Phänomen verantwortlich. Käfer fraßen alle Bäume kahl. Ein echtes Endzeit-Bild. Am Gipfel gab es dann das erste tschechische Bier. Der Weg sollte uns jetzt nur noch hinab nach Modrava führen. Zum Glück klärte sich der Himmel auch an diesem Tag weiter auf und wir fuhren bei bestem Sonnenschein in Modrava ein.

 

Tag 4: Modrava – Weißenstein

Strecke: 77,09 km, 4h 46min, 1348 Hm, Durchschnitt: 16,12 km/h

 

Der letzte Tag begann mit Sonnenschein. Das tschechische Bier hinterließ glücklicherweise keine Schäden und so konnten wir die letzte Etappe in Angriff nehmen. In Anbetracht der Zeit und der Etappenlänge beschlossen wir auf den Abstecher zur Moldauquelle zu verzichten. Wir erreichten schon bald den Grenzübergang in Bucina, wo ein Teil des Eisernen Vorhangs wieder aufgebaut wurde. Eine Schande solche Grenzen zu errichten. Hoffentlich kommen solche Zeiten nie wieder. Zurück in Bayern ging der Weg weiter durch den Nationalpark nach Spiegelau. Zum Abschluss stand der letzte Uphill zum Wagensonnriegel auf dem Plan. Bei herrlichem Sonnenschein erreichten wir die kleine Hütte am Gipfel. Bis hierher war die Navigation dank unseres Schorsches absolut kein Problem. Hier jedoch versagten alle Systeme. Andreas und Steffen stürzten sich sofort in einen tollen Downhill und verschwanden hinter den Bäumen. Der Rest folgte in kurzem Abstand. Als der nächste Forstweg erreicht war, stellte Schorsch fest, dass der Weg eigentlich in die andere Richtung am Gipfel hätte gehen sollen. Jetzt war guter Rat teuer. Wir versuchten uns so gut es ging um den Berg herum zu navigieren. Am Ende ging es dann doch gut und wir überstanden dieses Abenteuer ohne irgendwelche Probleme. Die letzten Meter zur Burgruine Weißenstein verliefen recht locker. Bei gut 30°C erreichten wir den Ausgangspunkt und beendeten die Bayernwald-Runde.

Diese Tour war diesmal echt spannend, die Trails am ersten und zweiten Tag waren recht anspruchsvoll und richtig toll, fast so wie bei uns im Pfälzerwald, nur länger. Am Tag 3 und 4 verblüffte und verzauberte uns die wilde Natur. Hier hatte man das Gefühl, dass hinter jeder Kehre möglicherweise ein Luchs oder ein Bär steht. Das Wetter war wieder einmal trotz schlechter Prognose super geblieben. Alle Regenwolken verzogen sich glücklicherweise während unserer Tour. Stürze gab es keine, technische Probleme im großen und ganzen auch nicht. Leider konnte Thomas nicht teilnehmen, ich denke die Tour hätte ihm auch sehr gut gefallen. Zu guter Letzt, es stimmt: Jens und ich kamen maximal 20 Sekunden nach den Anderen jeweils am Gipfel an.

 

Christian