Let's do the time warp again

7 Memmen an 3 Zinnen

 Warp 1: Die Anreise

Computer-Logbuch 1 der Outdoormemmen:

Wir schreiben den 29. August des Jahres 2007. Sieben bis dahin unerschrockene Memmen besteigen mitsamt ihren Bikes den Bus und begeben sich auf große Fahrt:

  • First Commander Joggel
  • Second Lieutenant Steffen
  • Communication Officer Oli
  • Main Pilot Dirk
  • Device Officer Michael
  • Downhill Major Lottel
  • Recording Sergant Christian

Nach ruhigem, 8-stündigem Flug erreichte die kleine Gruppe schließlich gegen Nachmittag wohlgelaunt Toblach, den Ausgangspunkt unserer Tour. Schnell ist das Hotel gefunden und der Bus geparkt. Die letzten Biere werden geköpft und man wartet auf das Check-In. Noch präsentiert sich das Wetter sonnig und warm, doch plötzlich tritt ein seltenes Phänomen auf – der Zeittunnel !

Die rüstige italienische Wirtin verkündet wortreich und wild gestikulierend, dass eine Bikergruppe für gestern angekündigt war, aber nicht erschienen sei. Für heute läge keine Buchung einer Gruppe aus Deutschland vor. First Commander Joggel entgleisten die Gesichtszüge während sein ach so rosiger Teint abwechseln von rot auf weiß und wieder zurück wechselte. Unfähig sich normal zu artikulieren starrte er auf seine Computerausdrucke und stammelte etwas von Zeittunnel und dem Fluch des großen Alpen-X. Harry sei dank konnte unser sprachgewandter, weitgereister Pilot Dirk zum einen die rüstige Wirtin verstehen und zum anderen die restlichen falsch gebuchten Hütten umbuchen und so bis auf weiteres den Zustand der Zeitreise wieder rückgängig machen. Der Tour und dem ersten Weizenbier stand somit nichts mehr im Wege. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung und einem besinnlichen Abendmahl mit Pater Don Camillo bezogen die Memmen ihr Nachtquartier direkt unter der Sakristei. Das erhabene Gebäude, so stellte sich später heraus, ist nämlich im Besitz der Kirche und so war auch zu erklären, dass sich nur reife, ihrem Lebensabend nahe Menschen und ein Pater im Hause befand.

 

Warp 2: Zeitsprung zur Dürrensteinhütte

Start:

Toblach, 1200 Hm

09:30 Uhr

14°C, wolkig-trüb

Ziel:

Dürrensteinhütte, 2040 Hm

12:30 Uhr

12°C, Regen

Distanz:

22,91 km

Fahrzeit: 2:11 h

 

Geschwindigkeit:

10,4 km/h (Durchschnitt)

49,5 km/h (Maximum)

 

Höhenmeter:

943 Hm (hoch)

142 Hm (runter)

 

Steigung:

6% (Durchschnitt)

18% (Maximum)

Temperatur: 12-20°C

 

 

 

 

Am nächsten Morgen erwachten die tapferen Memmen schon früh aus ihrem gesegneten Schlaf. Eine kleine Gruppe mystischer Mönche war noch bei Dunkelheit über den Lichtschacht zum Andachtsraum gezogen. Gott sei Dank drangen die liturgischen Gesänge nicht bis zu uns hinab. Nach einem lecker Frühstück machten wir uns dann auf den Weg. Wir versuchten es zumindest. Der Tacho war genullt, der Höhenmesser justiert und der Rucksack auf dem Rücken, da bemerkte Rüstmeister Michael einen Platten an seinem Hinterrad. Verstört zog er zuerst einen mehrere Zentimeter langen Nagel aus dem Reifen um dann auch noch festzustellen, dass die Felge, die ihm schon seit vielen vielen Jahren treu Dienste geleistet hat einige – 5 bis 6 – mehr oder minder lange Risse aufwies.


Statt auf dem Bike startete er seine Tour mit dem Bus und zwar nicht zu den 3 Zinnen, sondern zum nächsten Bikehändler. Leider aber waren an diesem Tag alle verfügbaren Läden geschlossen. So entschloss man sich die Tour trotz der gerissenen Felge in Angriff zu nehmen und das gute Stück am nächsten Tag vielleicht auszutauschen. Mit 30 minütiger Verspätung startete dann doch die erste Etappe mit allen Memmen. Von Toblach aus rollten wir auf Asphalt (M27) locker über Rienz nach Bad Maistatt und weiter die M1 nach Schmieden.

Dort bekam Memme Joggel dann große Probleme mit seinem steifen Glied. Nach kurzer Beratung beschloss man das steife Teil einfach zu entfernen. Heroisch nahm Joggel das Teil auch selbst in die Hand. Mit einfachsten Werkzeugen und unter neugierigen Blicken der restlichen Memmen entfernte er mit hochrotem Kopf das Glied. Nachdem die Kette dann wieder zusammengenietet war konnte er die Fahrt ohne weitere Probleme fortsetzen. Beim Brückele verliesen wir dann endlich den Asphalt und fuhren einen steilen Schotterweg (M37) in Richtung Plätzwiese.

Jetzt begann der Anstieg zur 800 m höher gelegenen Plätzwiese. Leider verdunkelte sich aber auch mit jedem gefahrenen Höhenmeter der Himmel. Sollten die vorher gesagten Unwetter jetzt doch kommen ? Nach wenigen Minuten begann es dann auch noch zu regnen. Dirk, Michael und Christian beschlossen den direkten Weg nach oben zu nehmen. Dazu eignete sich die Teerstraße, die bei Regen jedem Trail vorzuziehen ist. Die restlichen Memmen zogen sich trotzig ihre Regenjacken über und machten sich auf den Weg. Sie fuhren die Schotterauffahrt weiter und erreichten den Trail (M37a) an der Abzweigung Richtung Stollaalpe (M18). Gottlob war der Trail nach Joggels Aussage fast komplett schiebbar. Mittlerweile erreichten die vernünftigen Memmen auf der Strasse die Plätzwiese. Ampeln und heftige Winde konnten sie nicht aufhalten.

Doch am ausgemachten Treffpunkt war keiner unserer Memmenfreunde zu sehen. Man beschloss die letzten Meter noch zur Dürrensteinhütte zu fahren.

Das jetzt einsetzende Unwetter mit heftigstem Regen und jähen Windböen verfolgten wir aus der warmen Wirtsstube der Hütte. Wir verdrückten alle eine kleine Träne als wir an das Schicksal unserer Freunde dachten. Doch der Herr hatte auch mit unseren Freunden ein einsehen. Rechtzeitig vor dem Unwetter erreichten sie, kurz nachdem wir losgefahren waren die Plätzwiese. Nachdem sich alle gestärkt hatten lies auch das Unwetter nach und auf einmal, dem Zeittunnel sei dank, erreichten auch die vor uns gestarteten Freunde die Dürrensteinhütte. Ihre Tachos zeigten eine annähernd gleiche Fahrtstrecke und auch die Höhenmeter waren identisch – vermutlich waren sie in einem Zeitloch stecken geblieben. Nachdem die neu renovierten Zimmer bezogen waren und alle geduscht hatten war das Unwetter und der Regen verzogen. Die Besteigung des Strudelkopfes (immerhin 300 Hm von der Hütte aus) wurde kurzerhand als Wandertag durchgeführt.

Leider sollte niemand den Gipfel erreichen, da das Wetter sich wieder verschlechterte und Regenwolken auf uns zuzogen. Wir brachen also den Sturm auf den Gipfel ab und wanderten hungrig zurück. Wieder in der warmen Dürrensteinhütte angekommen klang der Abend nach etlichen Weizenbierchen und mehreren Runden Wizzard an der Bar aus. Die erste Etappe war geschafft, 3 weitere würden folgen.

 

Warp 3: Oli im Tunnel of Love

Start:

Dürrensteinhütte, 2040 Hm

08:15 Uhr

5°C, sonnig-klar

Ziel:

Rifugio Lago d'Antorno, 1880 Hm

16:15 Uhr

18°C, sonnig

Distanz:

51,56 km

Fahrzeit: 4:27 h

 

Geschwindigkeit:

11,5 km/h (Durchschnitt)

56,0 km/h (Maximum)

 

Höhenmeter:

1471 Hm (hoch)

1613 Hm (runter)

 

Steigung:

7% (Durchschnitt)

34% (Maximum)

Temperatur: 5-47°C

 

 

 

 

 

Der zweite Tag begann saukalt, aber sonnig. Die Regenwolken waren verschwunden und so strahlten die Gesichter der dich vermummten Memmen mit der Sonne um die Wette.

Dicht eingepackt in Arm- und Beinlinge, gewandet in diverse Westchen und Laiberl und mit langen Handschuhen bestückt machte sich die Gruppe auf den Weg. Lottel, der Kamikaze-Pilot, gierte mittlerweile nach einem aufregenden Downhill und beschloss sein Glück auf eigene Faust zu wagen. Trotz der Bedenken der Hüttenwirtin stürzte er sich mit irrem Blick auf dem Trail (M18) ins Knappenfußtal hinunter. Das letzte was man von ihm hörte war ein glückliches Jauchzen.

Der vernünftige Rest beschloss nach den gestrigen Vorkommnissen zusammen zu bleiben. Von der Dürrensteinhütte folgten wir einem schönen Schottertrail, einer alten Militärstrasse (M37) bis Schluderbach und von dort weiter nach Cimabanche.

Die 500 Höhenmeter vergingen im kalten Fahrtwind wie im Fluge. In Cimabanche traf dann wenige Minuten später schon Lottel ein. Er hatte seinen Spaß auf dem Downhill und berichtete mit leuchtenden Augen von kniffligen Stellen und tollen Obstacles. Gemeinsam radelten wir dann weiter. Kurz nach Cimabanche zweigte dann der Weg in Richtung Forcella Lerosa ab.

Wir quälten uns über den steinigen aber voll fahrbaren Weg die 500 Hm hinauf.

Belohnt wurden wir mit traumhaften Aussichten auf die bizarren Berge der Dolomiten und mit einer traumhaften Abfahrt. Vom Gipfel (2020 Hm) stürzten wir uns eine alte zugewachsene Militärstrasse hinab nach Il Torniche.

500 Hm rauschten wir über Stock und Stein. Ein Superweg ! Am Ende erreichten wir einen alten Bahnweg (1500 Hm). Diesem folgten wir über die Felizonschlucht. Plötzlich versperrte ein dunkles Loch unseren Weg. Ein Tunnel, gähnend schwarz und schier endlos lang. Lottel schnallte sich seine Stirnlampe um den Helm. Joggel montierte ein kleines Lämpchen an den Lenker. Ein noch kleineres Rücklichtlein schimmerte rötlich nach hinten. Joggel und Lottel machten sich auf den Weg in den schwarzen Schlund. Der Rest der Memmen folgte den beiden mehr oder mindder zögerlich. Tiefschwarze Dunkelheit umfing uns. Weit vorn konnte man das Licht am Ende des Tunnels sehen, doch direkt vor dem Rad war es pechschwarz. Der Boden war nass, zäh und klebrig. Es roch modrig. Steffen, Dirk und Christian verweigerten unter diesen Umständen die Gefolgschaft. Wir beschlossen den Alternativweg um den Tunnel herum zu wählen. Wenige Meter weiter fanden wir dann noch einen Tunnel der trocken, gut ausgebaut und sogar spärlich beleuchtet war. Schnell gelangten wir auf die andere Seite und erreichten schnell den Ausgang des Tunnels der unsere Freunde verschluckt hatte. Kleine tanzende weiße Lämpchen verrieten uns dass unserer Freunde noch Spaß hatten. Dann endlich spuckte das dunkle Loch zuerst Lottel und Joggel aus. Beide radelten aus dem Tunnel heraus und genossen die wärmende Sonne. Wenig später folgte Michael und Oli per pedes.

Beide trugen ihre Bikes. An Fahren war bei beiden nicht mehr zu denken. Dicke Schlammschichten hatten sich zwischen Vorderrad und Magura HS33 geschoben und maximal verdichtet. Das Rad drehte sich nicht mehr. Die Schuhe der beiden waren über und über mit Schlamm und Steinchen bedeckt. Oli verriet uns, dass er kurz nachdem wir weg waren mit seinem Rad in totaler Dunkelheit gegen ein Mäuerchen oder irgendetwas festes gefahren war. Dies zwang ihn abzusteigen . Dabei verschmutzte er seine Schuhe und Pedale. Er konnte mit den Klickies nicht mehr einklicken. Wenige Meter später drehte sich dann das Vorderrad nicht mehr. Da es so dunkel war konnte er auch nicht sehen was der Grund dafür war. Deshalb beschloss er sein Rad zu tragen. Mit dem Zusatzgewicht sank er natürlich noch tiefer in den Morast ein. Es dauerte ungefähr 30 Minuten bis Oli zuerst sein Bike und dann auch seine Schuhe gesäubert hatte. Ich denke dieser Tunnel of Love wird ihm ewig im Gedächtnis bleiben.

Weiter ging dann die Fahrt auf einer breiten Schotterpiste (M208) hinab nach Cortina d'Ampezzo. Dort sollten unsere Mühen mit einem lecker Eis belohnt werden (Oli putzte derweil sein Rad an einer Tankstelle – bekam aber auch dadurch bessere Laune). Quer durch die Fußgängerzone des mondänen Skiortes rollte der Memmenexpress – nicht ohne allerlei Unfug anzustellen. Sogar ein roter Teppich wurde zu unserer Ehre ausgerollt !

Von Cortina aus führte eine Asphaltstrasse von 1200 m hinauf zum Passo Tre Croci in einer Höhe von 1800 m. Bei nun tollem Wetter, Sonnenschein, kaum Wind erkämpften wir mit viel Schweiß jeden Meter. Am Passo Tre Croci wurden wir dann mit einem leckeren Mittagessen belohnt.

Bei 47°C in der Sonne genoss man das Essen und den traumhaften Ausblick auf 2 Zinnen.

Doch das Dolce Vita konnte nicht ewig währen – wir mussten weiter.

Der Straße weiter folgend gelangten wir dann endlich an den Misurinasee.

Von dort aus wollten wir über einen Trail die letzten Höhenmeter hinauf Richtung Forcella Bassa nehmen. Ein übellauniger Taxifahrer gab uns unmißverständlich zu verstehen, dass dieser Weg für Biker gesperrt sei und wir weiter auf der Strasse fahren müssen. Eine Ausnahme lies er nicht zu. Schließlich erreichten wir unser Etappenziel das Refugio Lago d'Antorno.

Nachdem die Zimmer bezogen waren und man sich erfrischt hatte klang der Abend bei Vino und einem üppigen Abendessen aus. Oli konnte sich jetzt endgültig von seinen Erlebnissen im Tunnel of Love abreagieren, waren die Doppelbetten doch recht schmal und nur mit einer einzigen breite Zudecke bestückt. Der Kuschelfaktor dementsprechend hoch.

 

Warp 4: ... und es sind doch 3 Zinnen

Start:

Rifugio Lago d'Antorno, 1880 Hm

09:00 Uhr

4°C, sonnig

Ziel:

Dreizinnenhütte, 2400 Hm

14:50 Uhr

19°C, sonnig

Distanz:

18,90 km

Fahrzeit: 2:33 h

 

Geschwindigkeit:

7,4 km/h (Durchschnitt)

40,5 km/h (Maximum)

 

Höhenmeter:

1167 Hm (hoch)

649 Hm (runter)

 

Steigung:

10% (Durchschnitt)

32% (Maximum)

Temperatur: 4-25°C

 

 

 

 

Der Tag begann sonnig, aber doch saukalt. Das von Steffen auf dem Balkon deponierte Thermometer zeigte gerade mal 4°C. Aber heute endlich sollten wir sie zu Gesicht bekommen – die 3 Zinnen, die Königin der Dolomiten. Freudig erregt eilte die Memmenschar nach dem Frühstück zur Radausgabe. Und schon wieder verzögerte sich der Start. Diesmal war der Hinterreifen bei Christian platt. Mit klammen Fingern und der Unterstützung der restlichen Memmen wurde der Schlauch gewechselt und die Tour konnte starten. Heute sollte auch die Kultur nicht zu kurz kommen. Es stand die Besichtigung des Freilichtmuseums auf dem Monte Piana an. Von unserer Unterkunft auf 1880 m führte ein kleiner aber feiner Trail durch den Wald, der uns am Ende am Fuße einer steilen Schotterstraße ausspuckte. Steile Rampen von über 25% führten hinauf in Richtung Monte Piana. Doch an einer Abzweigung prangte dann ein Schild: Radfahren verboten. Das Verbot wurde durch einen rücksichtslos fahrenden und wild hupenden Taxifahrer untermauert. Schnell war klar, dass wir die restlichen Meter zum Museum hinauf nicht würden fahren dürfen. Jeder Taxifahrer war in Besitz eines kleinen Walkie -Talkie und dadurch standen wir wohl unter besonderer Beobachtung. Wir gingen also jedem Streit aus dem Weg und schoben unsere Bikes bis zum Gipfel des Monte Pianas auf 2200 m hinauf. Letztendlich erreichten wir unbehelligt den Gipfel.

Der Besuch des Freilichtmuseums war kostenlos. Das komplette Gipfelplateau ist von Schützengräben durchzogen. Hier zeigte sich die Sinnlosigkeit des Krieges besonders eindrucksvoll. Am Gipfelkreuz verschlug es uns dann jedoch die Sprache. Der Berg fiel dort an der Flanke gute 1000 m senkrecht in die Tiefe ab.

Ein Highlight für alle, die an Höhenangst leiden. Wir marschierten tapfer einmal um das gesamte Plateau herum. Leider gab es dabei schon wieder einen Ausfall. Oli, der am Vortage schon ewig weit sein Bike durch einen Tunnel getragen hatte, bekam eine Blase an seiner Ferse. Ein Pflaster schaffte Linderung. Glücklicherweise machten die italienischen Taxifahrer just in diesem Moment Pause und so konnten wir, illegalerweise, wenigstens die Straße hinunter rollen. Vom Monte Piana aus konnten wir schon den Anstieg zur Auronzohütte bestaunen. Nach einer kleinen Weile erreichten wir dann tatsächlich den Fuß der 3 Zinnen. Wir beschlossen nicht den Trail bergauf zu nehmen, sondern fuhren die Mautstrasse nach oben. Natürlich ist die für Biker kostenfrei. 500 Hm standen nur noch zwischen uns und dem begehrten Ziel dieser Reise. Bei sommerlich heißen Temperaturen gingen wir den letzten Abschnitt dieser Etappe an. Doch nachdem wir die Baumgrenze passiert hatten empfingen uns kalte Winde, die die letzte Wärme aus den verschwitzen Körpern sogen. Schließlich erreichten auch die letzten Memmen die Auronzohütte.

Nach einem kargen und teuren Mittagsmahl in eben dieser Hütte verließen wir die Asphaltstrasse und folgten dem Schotterweg M101 in Richtung Lavaredohütte.

Völlig beeindruckt von der monumentalen Grösse der 3 Zinnen und eingekesselt von zahllosen Wanderern erreichten wir schließlich unser Ziel, die 3 Zinnenhütte. Endlich konnten wir sie sehen, die 3 Zinnen, die kleine Zinne, die großen Zinne und die westliche Zinne.

Gottlob hatte unser Reiseleiter Joggel hier die Unterkunft korrekt gebucht. Groß war daher unser Staunen, als er uns verriet, dass wir heute im Matratzenlager nächtigen sollten.

Und das nach all dem Wellness bisher. Allerdings waren jetzt endlich fremde Frauen in unserem Schlafzimmer – natürlich auch 10 – 12 fremde Männer. Wir bekamen das kuschelige 24-Bett-Zimmer mit Aussicht auf die Zinnen. Nachdem die Betten belegt und der Hüttenschlafsack ausgepackt war stand duschen auf dem Programm. Doch statt einer warmen Dusche fanden wir nur ein Waschraum mit 5 Waschbecken und erfrischend kühlem Wasser von geschätzt 10°C vor. Eine gründliche Reinigung fiel somit erst mal aus. Nachdem die Umgebung erkundet und die obligatorischen Fotos gemacht waren gingen wir zum gemütlichen Teil über.

Nach dem intensiven Studium der Karten befand man, dass die Strecke für den nächsten Tag noch modifiziert werden sollte. Statt des geplanten Weges M1107 ins Val Marzon empfahl uns der Hüttenwirt den M1104. Nachdem auch dieses Problem gelöst war wurde bei Vino und Wasser ein 3 Zinnen Wizzard König gesucht. Früh gingen wir dann in unser voll besetztes Matratzenlager und legten uns nieder. An ein ruhiges Schlafen war bei dem Schnarchen und Rascheln nicht zu denken.

 

Warp 5: Adrenalin pur

Start:

Dreizinnenhütte, 2400 Hm

08:00 Uhr

5°C, bedeckt

Ziel:

Toblach, 1200 Hm

14:00 Uhr

27°C, sonnig

Distanz:

46,08 km

Fahrzeit: 4:25 h

 

Geschwindigkeit:

10,4 km/h (Durchschnitt)

61,5 km/h (Maximum)

 

Höhenmeter:

1131 Hm (hoch)

2288 Hm (runter)

 

Steigung:

10% (Durchschnitt)

27% (Maximum)

Temperatur: 5-27°C

 

 

 

 

Nach einer unruhigen Nacht begann der letzte Tag schon früh. Das Thermometer zeigte gerade mal 5°C, der Himmel war bedeckt, es roch nach Schnee. Nach einem üppigen Frühstück radelten wir zeitig los und erreichten wenig später den Trail in Val Marzon. Wie schon am Vorabend abgesprochen nahmen wir den M1104.

In zahllosen Serpentinen schraubte sich der Trail in die Tiefe.

Total beeindruckt und ein wenig ängstlich rollten wir in die Sektion ein. Schnell jedoch wich die Angst und der Respekt der puren Freude.

Der Trail war wohl recht steil und ziemlich verblockt, doch man konnte fast komplett fahren.

Von Kurve zu Kurve wurden wir mutiger und surften den Trail immer sicherer hinunter. Ein kleiner Wehmutstropfen war da das Wespennest, das wir passierten. Bekanntlich beißen ja den letzten die Hunde. In diesem Fall stachen die Wespen die Letzten. Dirk und Christian waren die Opfer dieser feigen Attacke. Doch es tat der Feude keinen Abbruch. Mit funkelnden Augen erreichten wir dann viel zu früh Casoni della Casera. Gut 1200 Höhenmeter waren vernichtet. Dies dürfte meiner Meinung nach einer der schönsten Abfahrtstrails der Dolomiten sein. Während des Downhills hatten wir ja genug Zeit zum Entspannen. Nach gerade mal 600 m auf einer flachen Teerstraße bog dann der Schotterweg M121 zum Rifugio Citta di Capri ab. Der Weg führte auf 10 km Länge von 1200 m hinauf auf 2130 m. Dies sollte dann auch der letzte Anstieg unserer Tour werden. Nach hart erkämpften knapp 1000 Höhenmeter am Stück erreichte die Gruppe dann zur Mittagszeit das Rifugio Citta di Capri.

Gestärkt mit Hüttennudeln und Cola begann dann der unaufhaltsame Abstieg. Ein klasse Downhill führte uns zu einem See hinab. Sofort war mir klar: Hier war ich schon einmal in den letzten Tagen. Und richtig, wir waren am Ostufer des Misurinasee angelangt. Hatte da wieder einmal der Zeittunnel seine Finger im Spiel ? Vom Misurinasee aus ging der Weg dann relativ unspektakulär durch das Tal an der Strasse entlang stetig bergab. Nach einem letzten Gruß an die 3 Zinnen erreichten wir Toblach.

Die Tour war zu Ende. Alle hatten mehr oder minder unversehrt das Ziel erreicht. Michaels Felge hielt erstaunlicherweise durch. Glücklich trank er erst mal ein Schnäpschen auf das Teil.

Joggels Glied versteifte sich während der ganzen Tour nach der Operation nicht mehr.

Steffen überstand seinen Ausrutscher auf der Schotterabfahrt dank hervorragender Skitechnik unbeschadet, Olis Federung funktionierte nach mehrmaligem Aufpumpen wieder einwandfrei und auch Dirk und Christian hatten nur kleine Probleme mit ihren Wespenstichen. Einzig Lottel blieb von Ungemach verschont.

... übrigens: 2 Tage nach unserer glücklichen Ankunft zu Hause hat es am der 3 Zinnenhütte geschneit; 50 cm Neuschnee am Morgen. Gibt es eigentlich Reifen mit Spikes in der Breite 2,5 ?

 

Was bleibt nach der Tour zu sagen ?

  1. Spaß hat's gemacht,
  2. super war's,
  3. die Dolomiten sind ein Traum,
  4. es sind tatsächlich 3 Zinnen,
  5. Hüttenschlafsäcke sind nützlich und
  6. Joggel wird auf Ewig unser Reiseführer bleiben.

... to be continued (hopefully).

 

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