Obstkuchen statt Obstacles: Die Outdoormemmen in Kitzbühel

"Ride The Ehrenbach Trail“: Tauch ein ins Abenteuer Ehrenbach Trail! Der Freeride Trail im Ehrenbachgraben mit Anliegern, Jumps, Drops und vielen natürlichen Obstacles wie Wurzelpassagen, Spitzkehren und steinigen Abschnitten ist das Downhill Erlebnis der Superlative.

Soweit die Aussage der Mountainbike und Radwanderkarte Kitzbühel. Da waren die Memmen schnell elektrisiert. Nach Alpencross und Alpencross Light beschlossen die Outdoormemmen ihr Glück in Kitzbühel zu finden. Wellness und Alpenabenteuer sollten sich nicht ausschließen.

Dirk, der Mann aus den Bergen (er kennt tatsächlich jede verfluchte Straße in den Alpen) erklärte sich spontan bereit die Organisation für den Trip zu übernehmen. Der Ausgangsort war das mondäne Kitzbühel, genauer gesagt Klausen. Dort wurden wir bei einem schönen Sporthotel fündig. Für wenig Geld bot uns das Haus eine Sauna, Dampfbad, Swimming Pool und ein Luxus-5-Gänge Menü. Herz was willst Du mehr! Die Tour sollte von Donnerstag bis Sonntag (23.06. - 26.06.2005) dauern. Zufällig fand dann genau an dem Sonntag der Kitz-Alp Bike Marathon statt. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Die Teilnehmer:

  • Dirk,  Planer und unverbesserliche Wetteroptimist
  • Joggel, Reiseleiter und Nightlife-Profi
  • Oliver, Kassenwart und Blackberry-Beherrscher
  • Lottel, Design-Guru und Bergauf-Flyer
  • Christian, Bergabmemme und Schreiberling
  • Ralf,  Wellness-Luder und Bergauf-Nörgler
  • Steffen, stellvertretender Reiseleiter und Kitz-Alp Verweigerer
  • Michael, Dachfensterbauer und Kitz-Alp Verweigerer

1. Tag: Die Anreise oder "Kiwi aus Tirol"

Hotel Klausen: 830 Hm, 14:00 Uhr, 28°C, Sonne pur

Hirzegg Alm: 1549 Hm, 27°C, Sonne, 22,26 km

  • Hotel Klausen: 17:40 Uhr, 28°C, Sonne, 38,56 km, 2:27 h Fahrzeit,
  • 15,5 km/h Durchschnitt, 882 m #, 14% max. Steigung

Nach der mehr oder weniger staufreien Anfahrt sehnten wir uns danach die morschen Knochen noch einmal zu bewegen. Von Klausen aus flogen wir förmlich die Strasse entlang in Richtung Kirchberg. Von dort aus führte der Weg entlang der Almen hinauf nach Aschau. An der Mautstelle begann dann der eigentliche Aufstieg über die Labalm und Stieralm zur Hirzegg Alm.

Dort lockte uns eine kleine Almwirtschaft zur Pause. Dankbar spülten wir die durstig staubigen Kehle mit Holunderbeerschorle. Die Sonne genießend beschlossen wir noch unseren austrainierten Körpern mit einem Eiweißschub etwas Gutes zu tun.

Auf der Karte stand frischer Joghurt mit Früchten zur Auswahl. Wir Sportler bestellten natürlich davon. Memme Steffen machte seinem Namen alle Ehre – lies er nämlich die Kiwis unberührt liegen. Eine Allergie zwang ihn dazu. Die herbe Wirtin jedoch hatte dafür kein Verständnis. Barsch machte sie ihm klar, dass er gefälligst früher hätte sagen sollen, dass er keine Kiwis mag. Sie hat wahrscheinlich das Obst höchstpersönlich mit dem Damenrad auf die verlassene Hütte gefahren. Steffen versuchte ihr zu erklären, dass er eher an einheimische Früchte wie Enzian und Beeren dachte.

Zum Glück wurden wir nicht von der Hütte gejagt. Sicherheitshalber traten wir dann doch den Rückweg an. Von der Hirzegg Alm fuhren wir einen traumhaften Singletrail ca. 500 m durch den Wald hinab bis wir wieder die Schotterstraße nach Aschau erreichten. Mit einem wohltuend entspannendem Saunaabend wurde der Tag beendet.

2. Tag: Kitzbühler Horn oder "Diamanten Dirk"

Hotel Klausen: 830 Hm, 08:45 Uhr, 24°C, Sonne

Alpenhaus : 1669 Hm, 28°C, Sonne, 15,54 km, 921 m #, 20% max. Steigung

  • Hotel Klausen: 15:00 Uhr, 36°C, Sonne, 53,28 km, 3:40 h Fahrzeit,
  • 14,1 km/h Durchschnitt, 1340 m #, 1734 Hm max. Höhe

Am zweiten Tag stand dann die erste große Tour auf dem Programm. Vom Hotelfenster aus konnte man das Ziel schon erkennen. Groß und mächtig – schicksalsträchtig, ragte das Kitzbüheler Horn in den blauen Himmel. 8 Memmen schwangen sich frohgelaunt auf ihre Bikes und fuhren in Richtung Kitzbühel zur Hornbahn. Doch anstatt die Gondel zum Gipfel zu nehmen, wollten wir das Horn per Bike erklimmen. Wir waren ja schließlich nicht zum murmeln da. 1200 Meter traumhafte Auffahrt lagen vor uns.

Schon kurz nach dem Beginn des Aufstieges zog sich das Feld erwartungsgemäß in die Länge. Steffen und Oli versuchten vergeblich das Hinterrad von Lottel zu halten. Doch aufgrund der Superkompensation von Lottel ist nach 2 –3 Serpentinen Schluss mit lustig. Lottel fährt ab jetzt allein. Ähnlich ging es Joggel. Kurz nach der Mautstelle erzählte ich noch lustige Geschichten, bekam aber keine Antwort mehr. Michael, Dirk und Ralf bildeten das Ende des Feldes und fuhren total pulskontrolliert hoch. Bei Temperaturen von 35°C (gemessen) und 63°C (gefühlt) stand Dirk schon nach wenigen Minuten der Schweiß auf der Stirn. Im Sonnenlicht glaubte Michael sogar zu sehen, dass Dirk über und über mit Diamanten geschmückt war. Dieses Phänomen sollte bis zur Gipfelstation Alpenhaus so bleiben. Oben angekommen belohnten wir uns dann mit einem leckeren Apfelstrudel mit Vanille-Eis. Nach der entspannenden Pause auf der sonnenüberfluteten Terrasse ging es nochmals gute 50 Meter hoch auf die Hornkopfhütte. Über zwei weitere völlig sinnlose Kogel, weil zu steil zum Fahren ging die Tour weiter.


Allerdings folgte dann ein rasanter Downhill auf staubtrockener Schotterpiste hinunter nach St. Johann. In dem malerischen Ort wurden die Fettdepots nochmals mit Eiscreme aufgefüllt. Den Tagesausklang gestalteten wir mit einem erfrischenden Bad im Schwarzsee. Dirk der alte Stuntman überraschte alle Anwesenden mit einer tollen Showeinlage. Er machte im dichten Gras eine nahezu perfekte Rolle vorwärts vom Bike und landete direkt auf seinem Schaltauge. Respekt für diesen Mut.

Als weiteres Highlight war dann am Abend das Eintauchen ins Nachtleben in Kitzbühel geplant. Im Vorfeld war die Diskothek "Take Five" ausgewählt worden. Dort wollten die vergnügungssüchtigen Memmen ihre Tour feiern. Doch leider, leider war die doofe Disse zu. Da war guter Rat teuer. Doch zum Glück bekamen wir von einem Einheimischen den Tipp unser Glück im "Londoner" zu versuchen. Zu unserer Überraschung war der Laden super. Alte Lieder, junge Frauen und coole Barkeeper waren dort zu finden. Ein absolutes Muss ist mit dem Barkeeper ein "Snakebite" zu trinken. Eine Flasche Corona und eine Flasche Cidre gemischt mit einem Schuss Grenadine gepeppt schmeckt wirklich lecker. Jetzt waren wir bereit auch mal Mädels anzugasen. Als schon der Morgen graute schleppten Joggel und Michael uns raus aus dem Lokal. Die Vernunft hatte mal wieder (zum Glück) gesiegt.

3. Tag: Pengelstein oder "Sonne und Wellness"

Hotel Klausen: 830 Hm, 09:00 Uhr, 25°C, Sonne

Hahnenkamm: 1670 Hm, 28°C, Sonne, 5,23 km, 840 m #, alles mit der Gondel

Pengelstein: 1938 Hm, 31°C, Sonne, 12,14 km, 268 m #

  • Hotel Klausen: 15:00 Uhr, 39°C, Sonne, 37,97 km, 2:03 h Fahrzeit,
  • 18,3 km/h Durchschnitt, 447 m #(gefahren), 33% max. Gefälle

Am dritten Tag stand die Regeneration im Vordergrund. 7 Memmen wollten sich auf dem Bike regenerieren, eine Memme (Ralf) lag lang im Bett, frühstückte ausgiebig, ging spazieren und bestaunte das rege Treiben am Startpunkt des Marathons. Derweil fuhren die restlichen Memmen hoch auf den Hahnenkamm, der weltberühmten Abfahrtsstrecke - natürlich mit der Gondel. Höhenmeterfresser wie wir können auch anders. Am Start der Streif bewunderten wir den Starthang und die Einfahrt zur Mausefalle. Kaum zu glauben, dass da jemand überhaupt runterfahren kann.

Vom Hahnenkamm fuhren wir auf einer Schotterpiste hinauf zum Pengelstein. Bei 35°C machte die Pause auf der Sonnenterrasse doppelt so viel Spaß. Kaiserschmarrn mit Pflaumen waren der kulinarische Höhepunkt dieser Tour. Mit vollen Bauch machten wir uns dann weiter.

 

Eine Abfahrt über Aschau stand auf dem Programm. Dies war dann auch ein Teil der Extrem-Marathon Strecke, die Lottel am nächsten Tag fahren wollte. Ein besonderes Erlebnis war dabei die Schotterabfahrt direkt nach dem Pengelstein. 33% Gefälle und grober Schotter machten da dann schnell Schluss mit dem Mut bei einigen Memmen. Lottel lies es einfach laufen. "Du musst nur hinter den Sattel gehen und darfst nicht mit der Vorderradbremse bremsen. Geschwindigkeit stabilisiert" lautete sein Rat an uns. Steffen surfte mit blockierendem Hinterrad in bester Skifahrermanier den Berg hinunter. Michael und Joggel konnten Lottels Ratschläge am Besten umsetzen. Sie kamen recht elegant die Piste hinunter.

Der traurige Rest schonte Material und Körper und schob nach dem Motto "Schieben ist keine Schande". Den Rest des Weges flogen wir in einer riesigen Staubwolke den Berg hinunter. Am Schwarzsee wuschen wir den Staub des Tages von unseren Sportkörpern ab. Ralf stieß ebenfalls zu diesem Teil der Tour dazu. Ansonsten war alles super: Dirk lernte einen neuen Freund (Peter) kennen. Dieser zeigte ihm sogar sein Bike Heft und erklärte, dass man da gebrauchte Radl kaufn koa. Scheinbar war er schon mehrfach den Ehrenbach-Trail heruntergefallen. Leider zogen sich im Laufe des Abends die Wolken zusammen und es gab ein Gewitter. Morgen wollten wir den Marathon fahren, Missmut machte sich breit. Man tröstete sich damit, dass es wenigstens nicht mehr so staubig sei. Aber was ist schlimmer – Schlamm und Kälte oder Staub und Hitze?

4. Tag: Kitz Alp Bike Marathon oder "Obstacles, Obstler, Obstkuchen"

Start : 830 Hm, 09:00 Uhr, 17°C, Regen

Wiegealm:  1512 Hm, 20°C, Wolken, 12,58 km, 682 m #

  • Ziel: 11:45 Uhr, 24°C, Sonne, 26,43 km, 2:02 h Fahrzeit,
  • 12,8 km/h Durchschnitt, 852 m #

Es regnete auch noch am Morgen. Salzburger Schnürlregen nannte Steffen so etwas. Die Hoffnung schwand zusehends. Mit höhnischem Grinsen erschienen die Marathonverweigerer Steffen und Michael zum verspäteten Frühstück. Nur Dirk der immerwährende Optimist erklärte uns staunenden Flachländern, dass es um 9 Uhr zum Start aufhören wird zu regnen. Er ist ja schließlich in den Bergen geboren und da spürt man, wenn sich das Wetter ändert. Für uns klang das alles nach Zweckoptimismus doch o Wunder: der Regen lies langsam nach und pünktlich zum Start war es vorbei.

Bei kühlem Wetter ("Endlich mal meine Witterung, da kann man so richtig durchatmem" so Dirk und Ralf) und gerade mal 17°C gingen wir an den Start. Nach dem Startschuss ging es in flotter Fahrt relativ flach von Klausen über Kirchberg ins Brixental. Nach ca. 5 km begann der Aufstieg auf einer Schotterstraße die nicht staubte in Richtung Wiegealm. Nach 682 erstrampelten Höhenmeter erreichten wir die erste Labestation Wiegealm. Dort wurde man mit einer großen Auswahl an Getränken (Wasser, Elektrolytgetränke und Tee) und Speisen (Obst, Kuchen, Brote und Manner) empfangen. Leere Flaschen tauscht man einfach gegen neue Flaschen aus. Oben erfuhren wir, dass wir uns im hinteren Teil des Feldes lagen. Die Spitze war schon seit geraumer Zeit durch. Die Helfer begannen schon langsam den Müll aufzusammeln und abzubauen.

Der traumhafte Singletrail hinunter zur Skirast entpuppte sich jedoch als weiche, morastige Schlammpiste die schon von ca. 800 Fahrern die vor uns hier waren mächtig zerfurcht war. Auch musste der ein oder andere den Touren der Vortage Tribut zollen. Hauptsächlich Probleme mit dem Hintern machte einigen zu schaffen. Schweren Herzens beschlossen wir also den Marathon abzukürzen. Wir fuhren also nur die "Light" Variante. Diese führte uns direkt hinunter nach Klausen. Die Sonne hatte mittlerweile auch ein Einsehen mit uns. Im Sonnenschein passierten wir die Ziellinie ohne Defekte, Stürze und Ausfälle. Einer der schwierigsten und anspruchvollsten Kitz Alp Bike Marathons ging für uns zu Ende. Nachdem wir geduscht und mit Nudeln und Bier gestärkt waren traf auch Lottel ein. Er kam uns humpelnd entgegen. Auf der Abfahrt war er auf einem nassen Kuhgitter weggerutscht und auf sein Knie gefallen. Nicht dramatisches aber bestimmt nicht besonders angenehm. Lottel hat ebenfalls ganz memmenmäßig abgekürzt und nur die Medium Distanz gemeistert.

Doch ein Problem war bis jetzt immer noch nicht gelöst. Was zum Teufel sind eigentlich Obstacles? Findet man die auch im Pfälzer Wald oder nur hier in den Alpen? Kann man das in die Tasche stecken oder essen?

Obstacles haben wir nicht gesehen. Aber wir haben Obstkuchen, Eis, Kaiserschmarrn und Strudel gehabt. Obstacles haben wir nicht gefunden. Aber wir haben Snakebite, Weizenbier und Holunderbeersaft gekostet. Obstacles haben wir nicht gebraucht. Aber wir haben Spaß, Wellness und tolle Touren gefunden. Wir haben den Ehrenbach Trail nicht befahren aber wenn wir wieder mal kommen, dann werden wir ihn suchen, finden und fahren. Dann werden wir endlich wissen was Obstacles sind.

 

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Gesamt: 156,24 km und 3521 Höhenmeter wurden innerhalb der vier Tage gefahren.