Eigentlich startete alles wie immer. Am Anfang stand die übliche Frage: Wohin fahren wir dieses Jahr? Diesmal war schnell klar, wir wollten in die Zugspitz-Arena nach Lermoos. Dieses Ziel schien wie geschaffen für uns. Zum einen dauert die Anreise kaum 4 Stunden und zum anderen weckten einige Touren und Videos im Netz unser Interesse.

Und so machten wir uns am 25.08. früh morgens um 4 Uhr auf den Weg.

Wir waren diesmal nur die Memmen Oli, Karl, Steffen und ich. Die restlichen potentiellen Mitfahrer hatten sich entweder im Winter verletzt oder hatten schlicht und einfach Trainingsdefizite. Wobei, in den Vorbereitungs-Touren im Pfälzerwald wurde mir schnell klar, dass die Fitness nicht mit meinen eigenen Ansprüchen würde mithalten können. Zum Glück ging es Steffen ähnlich, so dass wir Oli und Karl bedenkenlos an den Aufstiegen hätten ziehen lassen können. Bei 4 Memmen war natürlich klar, dass wir alle gut im Bus fahren konnten. Zu berichten sei hier noch der Erfindergeist von Karl und Alex. Da nur 3 Bikes auf dem Heckträger Platz fanden, musste Karl sein Bike im Bus abstellen. Dafür besorgte er sich eine praktische Bike-Tasche. Diese war leider für sein Bike viel zu klein. Da war guter Rat teuer – oder eben nicht. Alex hatte die Idee das Bike in einem Bettbezug zu verstauen und die ausgebauten Reifen in einem Kopfkissenbezug. Dies war eine perfekte Lösung. So blieb der Bus sauber und das Bike war so weit gut geschützt.

Tag 1: Schlösser und Seen Tour

Die Wetterprognose für Lermoos war leider nicht so super. WetterOnline kündigte ab Freitagnachmittag und Samstag Regen an. Daher beschlossen wir während der Fahrt am ersten Tag, dem Donnerstag, gleich die Schlösser und Seen Tour zu machen. So konnten wir sicher sein, dass wir auf jeden Fall trocken durchkommen.

Wir starteten um 10 Uhr bei bestem Wetter zu unserer Tour. Das Höhenprofil war eigentlich recht moderat, es sollte nur ein nennenswerter Anstieg nach den Königsschlössern kommen. Wie sehr täuscht solch ein Höhenprofil, wenn es auf dem Handy hochkant dargestellt wird und die über 80 km weite Strecke stark zusammengestaucht wird. Schon nach gut 1 km erwartete uns eine Monster-Steigung. Nur 100 Hm, aber mit gut 18% Steigung in der Spitze. Was ein Start, solch ein dickes Ding braucht niemand zum Tourstart. Dann die nächste Überraschung. Nach 3 km stand plötzlich ein Schild im Weg. Forstliches Sperrgebiet, Betreten verboten stand in dicken Lettern darauf. Nach einer kurzen Überlegungszeit beschlossen wir, den Weg trotzdem zu nehmen. Viel zu groß war der Respekt die Monstersteigung wieder runterzufahren und im Tal die gesperrte Stelle zu umfahren und dann wieder die 100 Hm zu erklimmen. Zum Glück ging alles gut, die Waldarbeiter machten gerade Pause und wir schossen schnell an ihnen vorbei. Der Weg selbst war recht einfach zu fahren. Der breite Trail folgte der Fernpassstrasse von Leermos über Lähn, Wengle bis Heiterwang. Dort bog der Weg dann ab zum Heiterwanger See. Nun folgten wir einem tollen Trail direkt am Seeufer entlang. In den ersten 15 km hatten wir praktisch nur eine Steigung. Lermoos 995 m, Heiterwanger See 980 m. Nach 3 km erreichten wir die neue Brücke Plansee – Heiterwanger See. Jetzt ging es am Ufer des Plansees weiter bis zum Archbach, seinem Zulauf. Nach 26 km erreichten wir den Urisee. Hier machten wir dann unsere Mittagspause. Bis jetzt standen kaum Höhenmeter auf unserem Tacho. Weiter ging die Tour entlang der Fernpassstrasse. Nach 37 km erreichten wir schließlich den Alpsee. Jetzt standen die Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein auf dem Programm. Und bei Kilometer 40 begann dann auch der Aufstieg. Wir fuhren auf der alten Rodelbahn von Hohenschwangau (824 Hm) hinauf zur Marienbrücke, von der man eigentlich einen traumhaften Blick auf Neuschwanstein hat. Innerhalb eines Kilometers klettert man auf 986 m. Natürlich fuhren wir die komplette Strecke. Die zahlreichen, uns entgegenkommenden Fußgänger waren da Motivation genug. Leider war die Brücke von den zahlreichen Besuchern total verstopft, so dass wir beschlossen, dieses Tour-Highlight auszulassen. Danach zog sich der Weg mit einer gleichmäßigen Steigung von 986 m hoch auf 1420 m. Unterwegs nahmen wir zur Stärkung ein erstes Getränk in der Bleckenau-Hütte. Am Gipfel begann dann der Singletrail hinunter zum Plansee. Man fährt von 1420 m innerhalb von ca. 10 km hinab zum Plansee (980 m). Jetzt war der härteste Teil geschafft. Am Ufer des Plansees belohnten wir uns mit einem kühlen Bier. Die Strecke führte am Ufer weiter. An einer abgelegenen Stelle befand Oli, dass es jetzt Zeit wäre die müden Knochen bei einem entspannten Bad auszustrecken. Mittlerweile war es schon fast 17 Uhr und es stand noch ein schönes Schlussstück an. Daher verzichtete Steffen und ich auf ein erfrischendes Bad. Weiter ging es immer noch leicht bergab entlang der Neidernach bis Griesen. Mittlerweile standen schon 66 km auf unserem Tacho. Jetzt folgte der Weg entlang der Loisach leicht aufwärts. Ich denke hier rächte es sich, dass Steffen und ich auf die Entspannung im Plansee verzichtet haben. Nach gefahrenen 70 Kilometern verließ uns Kraft und Lust. Die Beine wurden langsam schwach. Aber es musste schließlich weitergehen. Vorbei am Häselgehrbacher Wasserfall kamen wir schließlich völlig abgekämpft an unserem Hotel an. Nicht nur die Tour, auch unsere Beine waren dick.

Tourdaten: 81,7 km, 5h 22min, Schnitt: 15,2 km/h, 1492 Hm

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Tag 2: Trailgenuss: Blindsee-Trail und Grubigalm-Trail

Der zweite Tag startete vielversprechend. Die Sonne stand strahlend am Himmel. Wir beschlossen heute den Blindsee Trail, ein echtes Highlight der Region zu fahren. Pünktlich um 9:15 Uhr standen wir abfahrbereit vor unserer Unterkunft. Die dicken Beine waren schnell wieder locker. Die Auffahrt ging eigentlich ganz locker von 1000m Höhe innerhalb von 8 km auf 1745m hinauf. Wir erreichten um die Mittagszeit dann den Einstieg in den sagenumwobenen Trail. Doch nach der näheren Betrachtung des Schilds am Traileinstieg rutschte einem das Herz in die Hose. Länge der Abfahrt: 7,1 km, 0m Auffahrt, 609m Abfahrt, Level schwer, S3. Nun ja, man muss ja irgendwie runter und am Anfang sah es auch ziemlich locker aus. Das sollte sich aber schnell ändern. Der Weg war dann doch recht steil (zwischen 20 und 30% Gefälle) und ziemlich ausgesetzt. Hier war Technik und Mut gefragt. Wenn eines von beiden fehlte, musste man die Passage halt zu Fuß nehmen. Im Großen und Ganzen war der Downhill aber toll. Man hatte eine grandiose Aussicht und wenn man einen besonders kniffligen Teil gefahren war, dann platzte man förmlich vor Stolz. Mittlerweile habe ich einige Videos von dem Trail gesehen und muss sagen, die Jungs, die den kompletten Trail durchfahren sind echte Künstler. Ich hätte nicht gedacht, dass man die Abfahrt zum Wasserfall tatsächlich kontrolliert fahren kann. Aber auch wir erreichten heil den Blindsee. Da das Wetter immer noch superschön war, sprangen wir direkt in den eiskalten See und kühlten uns ab. So erfrischt radelten wir über Biberwier zurück nach Lermoos. Dort kamen wir um 13 Uhr an und genossen erst mal ein kühles Getränk.

Tourdaten: 22,64 km, 2h 38min, Schnitt: 8,57 km/h, 811 Hm

Tja, der Tag war also noch nicht rum, das Wetter schien auch noch zu halten, also wurde kurzerhand beschlossen noch den Grubigalm Trail zu fahren. Wir starteten gegen 14 Uhr bei schönstem Sonnenschein. Die 1000m hoch zur Grubig II Bergstation nahmen wir ganz entspannt mit der Gondel. Die ersten 100 Höhenmeter rollten wir gemütlich auf einem breiten Weg zum Einstieg hinunter. Dieser befindet sich 1935m Höhe. Der Trail selbst ist meiner Meinung nach etwas weniger anspruchsvoll als der Blindsee-Trail. Aber auch hier sind einige Passagen recht grob und ausgesetzt. Wir kamen mit einem breiten Grinsen schließlich an der Grubigalmbahn Bergstation an (nach 2km, 1700 Hm). Von dort an ging es auf dem Forrest Aisle Trail weiter durch den Wald. Nach gut 5,5 km erreichten wir bei einer Höhe von 1330m den Einstieg Bikepark Lermoos mit dem Forrest Thunder. Ein wenig irritiert war ich durch ein Hinweisschild, das besagte, dass es sich hier um einen schwarzen Trail mit Drops handelt. Zum Glück konnte man die Drops umfahren. Eigentlich war alles spitze, wenn nicht plötzlich meine Freunde vor mir gestanden hätten. Oli war praktisch am Ende des Trails irgendwie umgekippt. Völlig unspektakulär war das, so jedenfalls wurde mir das berichtet. Aber trotzdem hatte sich Oli den rechten Daumen umgeknickt. Wir rollten locker runter zur Talstation und beendeten den Tag immer noch bei tollem Wetter. Nachzutragen wäre nur, dass es heute statt dicker Waden nur einen dicken Daumen bei Oli gab. Trotz Eiskühlung schwoll der Daumen ziemlich heftig an.

Tourdaten: 8,28 km, 33min, Schnitt: 14 km/h, 1020 Hm bergab

 

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Tag 3: Wanderung zur Tulft-Alm

Am Abend kam dann der angekündigte Regen. Zum Glück hatten wir jetzt schon alle Highlights abgefahren. Somit war es keine Frage am nächsten Morgen die Räder stehen zu lassen und gemeinsam zu einer Wanderung zu starten. Wir hatten uns schon am Abend als Ziel die Tulft-Alm ausgesucht. Dank Komoot war auch schnell ein Weg für harte Männer mit dicken Daumen gefunden. Der Weg führte uns in 3 km von 995m Starthöhe die gut 500 Höhenmeter hoch zur Alm. Eine ganz schöne Anstrengung, aber wir waren ja nicht zum Spaß hier. Vor der Mittagszeit erreichten wir unser Ziel und beschlossen direkt ein erstes Frühschoppen-Bier zu nehmen. Natürlich ist es nicht bei dem einen Getränk geblieben. Schließlich gab es ja auch ein leckeres Mittagessen und einen Kaiserschmarrn zum Nachtisch. Nachdem auch langsam das Wetter besser wurde, beschlossen wir noch ein allerletztes Getränk auf der Terrasse zu nehmen und der stickigen Wirtsstube zu entfliehen. Ich fand es eigentlich ganz kuschelig, aber Karl war ganz versessen auf frische Luft. Warum unser bayrischer Hüne aber dann eine Johannisbeerschorle orderte, verstand niemand von uns. Gut gelaunt wanderten wir schließlich zurück in unsere Unterkunft. Heute war eigentlich nur der Kopf dick. Hätte besser auch eine Schorle getrunken.

Tourdaten: 8,30 km, 2h 14min, Schnitt: 4 km/h, 570 Hm

 

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Tag 4: Rund um den Daniel

Der letzte Tag stand an. Wir hatten am Morgen mit dem Vermieter ausgemacht, dass wir noch für ein schmales Extra-Geld in unserem Zimmer duschen konnten. Somit stand einer weiteren Tour und einer erfrischten Heimfahrt nichts im Wege. Das Wetter war wieder phänomenal, die Sonne strahlte. Leider konnte Oli wegen seines Daumens nicht mitkommen. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von unserem Freund und fuhren von Lermoos Richtung Griesen. Dies war genau der Weg vom Ende des ersten Tags, nur in die entgegengesetzte Richtung. Jetzt wusste ich auch, warum mir es am ersten Tag so anstrengend vorkam. Von Lermoos (995m) nach Griesen (800m) geht es auf 12 Kilometer praktisch immer leicht bergab. In Griesen bogen wir auf einen Trail ab, der uns an der Neidernach, die übrigens die Grenze zwischen Österreich und Deutschland markiert hinauf zum Plansee (1000m) führte. Die ersten 20 km standen auf dem Tacho. Der Weg führte uns zuerst direkt am Ufer zum Campingplatz. Von dort ging es gut 40m hoch auf einen schönen Höhenweg, bei dem man den kompletten See überschauen konnte. Vorteil ist, dass man nicht auf der Plansee Strasse zwischen den Autos fahren muss. Beim Campingplatz Seespitz-Plansee ging es wieder runter und wir folgten dem Plansee-Rundwanderweg. Weiter ging es, entgegengesetzt der Tour am Tag 1 über die Brücke am Durchstich zum Heiterwanger See und dort am Ufer weiter Richtung Heiterwang. Ab dort verlief der Weg parallel zur Fernpassstrasse. Über Bichlbach und Wengle ging es nach Lähn. Dort war wegen eines Fests die Strasse gesperrt. Wir überlegten kurz, wie lange wir unseren Freund Oli alleine lassen könnten. Schließlich beschlossen wir doch weiterzufahren. So ein Dorffest macht als dreiblättriges Kleeblatt halt nicht so viel Spaß. Wir erreichten schließlich Lermoos und konnten dort unseren Oli begrüßen. Wir hatten alle ein dickes Grinsen auf unseren Gesichtern. Übrigens, der Daniel ist wohl mit 2340m der höchste Berg, den wir auf dieser Tour umrundeten.

Tourdaten: 47,42 km, 2h 48min, Schnitt: 16,86 km/h, 634 Hm

Fazit: Die Zugspitzarena ist zum Biken super. Es finden sich extreme Trails mit hohen technischen Anforderungen, aber auch familienfreundliche Touren entlang der vielen Seen. Alles in allem war es eine tolle Tour mit tollen Freunden. Ich hoffe, wir haben noch ganz viele gemeinsame Touren vor uns. Mittlerweile geht es Oli auch wieder besser, er will schon wieder in den Wald zum Biken. Also zum Schluss ein dickes Danke an alle.

Christian